Zivilcourage und/oder die Angst davor
Lediglich ein paar in Bedrängnis gekommenen Jugendlichen, die seine Kinder hätten sein können, wollte der Mann helfen.
Dass sich dieser Vorfall in München ereignete, spielt keine Rolle. Die Republik ist groß und die Gewaltbereitschaft einiger krimineller Subjekte noch größer. So etwas kann immer und überall passieren. Leider…
Wo aber liegt der generelle Grund für die ständig wachsende Gewaltbereitschaft dieser Menschen, die diesen Namen eigentlich garnicht mehr verdient haben? Menschlich sein, das ist human… und human verhalten sie sich nun wirklich nicht. Es wäre sicher zu einfach hier Schlagworte wie z.B. “Ausländer” oder “Ghettokinder” ins Spiel zu bringen. Die viel diskutierte hohe Arbeitslosigkeit erscheint mir auch nicht die Entschuldigung der 1. Wahl für solches Verhalten. “Ungünstiges soziales Umfeld” ist auch ein in solchen Situationen den Tätern gern zugeordnetes Schlagwort, vermeintliche Entschuldigungen für die Täter gibt es zur Genüge…
Ich, an Stelle des verstorbenen Helfers, hätte mit Sicherheit auch nicht weggesehen. Es gibt Situationen, da kommt einfach der Gerechtigkeitssinn aus mir raus und wenn was nicht geht, dann mache ich eben meinen Mund auf. Dies ist so ein Fall. Ein Fall, der mich zutiefst erschüttert.
Ein Fall, der mich fragen lässt, ob ich denn auch beim nächsten Mal über genügend Zivilcourage verfüge um mich ggf. tottreten zu lassen? Wohl kaum, denn ich bin keine Selbstmordkandidatin, meine Angst überwiegt. Und genau diese Angst ist es meines Erachtens, die die Gewaltbereitschaft dieser Kriminellen wachsen lässt. Sie wissen darum, spielen damit und gewinnen dieses grausige Spiel auch noch. Ein Teufelskreis…
Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Durchbrechen, damit sich die daraus entstandene Gewaltspirale nicht noch weiter ausweiten kann, nicht zum Tornado wird, der uns alle lähmt und verstummen lässt…
Wie aber kann ich helfen ohne mich selbst in Gefahr zu bringen? Thomas rät zum Zücken des Handys und wählen der Notrufnummer, die übrigens bundeseinheitlich die 110 (Polizei) ist, die 112 (Feuerwehr) hilft in solchen Fällen sicherlich auch. Die Aufmerksamkeit Dritter auf die Situation zu lenken ist sicherlich ein weiteres Mittel. Lautes Rufen, Hupen oder das ziehen der Notbremse können diese Aufmerksamkeit erzeugen, sogar das Zertrümmern einer Scheibe halte ich, je nach Situation, für angemessen. Denkt mal drüber nach und schreibt mir bitte in die Kommentare, was euch sonst noch so einfällt.
Meine letzten Gedanken beim Schreiben dieses Beitrages widme ich dem verstorbenen Helfer. Ihm danke ich für seinen Mut und Einsatz, die für mich Verpflichtung sind in seinem Sinne weiterzumachen, damit die Zivilcourage nicht auf der Strecke bleibt. Seiner Familie gilt mein tiefstes Mitgefühl.











13. September 2009 um 13:20
Weggesehen hätte ich auch nicht, das wäre garantiert der falsche Weg. Einzugreifen ist natürlich so eine uneinschätzbare Angelegenheit, deren Ausgang man nicht kennt. Im o.g. Vorfall nahm es ein mehr als tragisches Ende. Zivilcourage ja, sie ist notwendig und erforderlich. Aber das eigene Leben wegen eines abgezockten MP3-Players etc. aufs Spiel setzen?
Ein Einschreiten wie Du geschrieben hast, das Aufmerksamkeit erregt, schreien, hupen oder dgl. halte ich in heutigen Zeiten das bessere Mittel. Die Täter von München schreckten auch vor Mord (und für mich ist es das) nicht zurück. Und derartig verrückte Typen rennen jede Menge durch die Gegend.
13. September 2009 um 13:42
auf jeden Fall die Polizei informieren! Wenn man selber kann, laut um Hilfe schreien, ich hätte vermutlich damit ein Problem …
Notbremse oder Hupen, sofern möglich.
13. September 2009 um 15:11
Wie ich mich kenne, wäre mein Handy-Akku gerade mal wieder leer
Ich könnte auch nicht wegsehen, habe aber hier in Berlin auch kein gutes Gefühl. Zu schnell sind die Messer gezückt. Männe ist vor ein paar Jahren mal von einem Typen mit Mirationshintergrund verfolgt worden, weil er ihn bat, seine Bierbüchse aus der Bahn mitzunehmen.
Irrietierend finde ich vor allem solche Szenen, in denen lautstark und rumrempelnd vermeintliche Streitigkeiten ausgetragen werden, die sich aber sofort in Verbrüderungen auflösen, sobald sich (wie provoziert?) Dritte einmischen. Das könnte dazu führen, dass man zu lange beobachtet, bevor man Hilfe holend eingreift.
13. September 2009 um 19:38
Danke für deinen nachdenklichen Beitrag. Als ich von dem Vorfall heute morgen in den Nachrichten gehört habe, war ich ziemlich geschockt, sprachlos. Zivilcourage ist bewundernswert, ich weiß nicht, was ich (außer wahrscheinlich den Notruf zu wählen) in so einer Situation getan hätte. Gehofft, dass andere reagieren? Ich weiß es wirklich icht …
Weiß man eigentlich Näheres über die Täter?
14. September 2009 um 07:27
so jetzt vergleiche mal hier die Kommentare, recht wenig oder:?: Bei anderen Themen bekommst du sogar viel mehr
, hoffentlich liegt es nur am Wochenende
14. September 2009 um 08:59
@ Thomas: Genau um die Wahl der Mittel geht es ja. Weclhe Mittel sind geeignet, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen
Fällt Dir außer den genannten noch was ein?
@ blogzicke: Polizei ist immer gut. Danke für den Hinweis!
@ tonari: Das ungute Gefühl ist hier in Berlin sicher nicht schlechter als in anderen Großstädten. Wobei man hier noch ne bessere Chance auf Hilfe hat. Es sind einfach mehr Zeugen da…
@ Andrea: Wissen, wie man in der Situation reagiert kann man sicher erst, wenn man sich in ihr befindet. Aber drüber nachdenken was man tun könnte ist auch schon ein Weg in die richtige Richtung, meine ich
nochmal @ Blogzicke: Du kannst Probleme haben!
Aber ich denke sicher, dass es am Wochenende liegt. Ich kenn doch meine Leser. Wart mal ab…
14. September 2009 um 09:51
Ich würde das spontan entscheiden, wenn ich einer solchen Situation ausgesetzt wäre. Helfen ist klar, ich würde laut um Hilfe schreien und gegebenenfalls auch “tätlich” eingreifen. Kommt auf die Situation an. Wenn ein Angreifer bewaffnet ist, würde ich mich hüten tätlich zu werden. Am wichtigsten wäre natürlich erstmal die Polizei zu holen. Bis die eintrifft, würde ich versuchen jede Menge Passanten auf das Geschehen aufmerksam zu machen und mit ihnen gemeinsam versuchen die Situation zu deeskalieren.
Wie gesagt, es kommt immer auf die Situation an.
LG
14. September 2009 um 10:18
Man muss in diesem Fall auch Bedenken, dass hier die Gewalt ja erst später kam. Der Mann hat sicherlich nicht damit gerechnet, dass er beim Aussteigen “die Quittung” für sein Eingreifen bekam. Das ist sowas von furchtbar …
14. September 2009 um 11:18
@Flocke: Vielmehr als “passives Eingreifen” (Notruf, Notbremse usw.) gibt es nicht. Durch die Tatsache, dass Bahnsteige videoüberwacht sind, lass die Idioten doch das Handy, den MP3 oder Geld klauen, es wird auf jeden fall niemand noch zusätzlich verletzt. Materieller Schaden ist das eine, die Gesundheit oder das Leben dafür lassen – ist kein Gegenstand wirklich wert.
@Andrea: Aber mit solchen “Racheakten” musst Du heutzutage definitiv rechnen. Die passen Dich außerhalb des Bahnhof ab, da gibt es dann aber keine Videoaufzeichnung von. Eine “was wäre wenn – Rechnung” kannst Du komplett außenvor lassen.
14. September 2009 um 11:22
@ Frau Wolkenlos: Das Problem liegt in der möglichen Bewaffnung der Täter. Man kann das leider nie ausschließen und vorheriges Nachfragen halte ich nicht für unbedingt ratsam…
@ Andrea: Genaue Einzelheiten zum konkreten Tathergang wurden erst nach Veröffentlichung meines Beitrages bekannt.
14. September 2009 um 11:29
@ Thomas: Was die Racheakte betrifft, so hast Du natürlich Recht. Damit muss man heute rechnen.
Die Frage ist doch aber auch, ob sich nicht vielleicht an unserer Rechtsprechung was ändern muss? Wir machen einerseits gegen Überwachung mobil und setzen den Datenschutz über Alles, verlassen uns aber andererseits auf Überwachungskameras. Das ist doch unlogisch…
14. September 2009 um 11:50
@Flocke: Naja, ich sags mal salopp… ehe sich die deutsche Rechtssprechung in solchen Dingen ändert kickt der Papst bei Fortuna Düsseldorf
.
Ne Spaß beiseite. Du hast schon Recht. Auch was die Überwachung betrifft. Ich bin auch gegen einen Überwachungsstaat… ABER… Überwachung ist nicht gleich Überwachung. Es ist ein großer Unterschied, ob ich Busse und Bahnen, Bahnsteige etc. überwache um Sicherheit zu gewährleisten, oder ob ich pauschal alle deutschen PCs ausspionieren möchte…. in der Hoffnung Bin Laden zu fassen. Letzteres ist Schwachsinn, wogegen ich auch strikt bin.
14. September 2009 um 12:22
Hmmm…solche Nachrichten machen mich so sprachlos und wütend!
Polizei rufen. Hab ich auch schon mal gemacht. Das dauert eeeewig, bis die dann da sind. Was in der Zwischenzeit alles passieren kann? Will man gar nicht wissen. Ich frage mich häufig, warum nicht gerade in S-Bahnhöfen usw viel mehr Sicherheitsdienst rumläuft. Irgendwie sind die nie da, wenn man sie mal braucht.
Und was in den Köpfen der Leute vorgeht, die einfach mal jemanden totschlagen, das will ich auch mal wissen. Vermutlich nichts. Was ist denn da bloß los?
14. September 2009 um 14:08
Man soll laut Experten als Aussenstehender andere Personen direkt ansprechen und um Hilfe bitten. Die Leute sollen dann eher bereit sein, einzugreifen. Ich war auch schon in Situationen, in denen ich Hilfe brauchte, natürlich nicht in so einer, und hatte oft das Glück, daß mir geholfen wurde.
Jeder kann irgendwann in so eine Lage kommen, das sollte man nicht vergessen.
14. September 2009 um 15:15
sicher, wenn noch jemand da ist. (Was nützt mir als Frau eine sehr alte Dame
Aber so oder so eine sehr schwierige Situation.
Da sind wohl mal die Experten gefragt, die genaue Studien anfertigen sollten und Lösungen vorschlagen.
Sicherlich kommt so etwas in einem “gesunden” Elternhaus kaum oder nicht vor.- Könnte ich mir zumindest gut vorstellen.
14. September 2009 um 15:52
@ Thomas: Nu werdenSe mal hier nich religiös, auch wenn ich ne anbetungswürdige Heilige bin
Ansonsten haste auch hier Recht, nur ist es immer schwierig fließende Grenzen zu ziehen.
@ Lola: Die Polizei hab ich auch schon gerufen. Als ich noch öffentlich gearbeitet hab sogar ständig. Die Jungs und Mädels sind schon verhältnismäßig schnell, aber zaubern könnenSe natürlich auch nich…
@ Babbel: Dritte direkt ansprechen ist auch eine gute Idee, die man auch beim Erste-Hilfe-Kurs lernt. Danke für den Hinweis!
@ blogzicke: HattenSe heute nen Clown zum Frühstück?
Natürlich is keine alte Omi gemeint. SuchenSe sich nen jungen Knackarsch aus und denkenSe an mich, wennSe ihn um Hilfe bitten
15. September 2009 um 09:05
Der arme Mann und seine Familie ist zu bedauern. Auch schlimm ist, dass diese beiden Mörder scheinbar noch nach dem Jugendstrafrecht behandelt werden, das heißt max. 10.Jahr, bei guter Führung ca.7. Mehr ist ein Menschenleben wohl nicht mehr wert.
Mich stimmt das Ganze traurig, macht mich wütend und ich hoffe sehr, ich werde mich trotz dieses Wissens und die zweifelsohne aufkommende Angst und Sorge um das eigene Wohl einmischen können, falls ich mal in eine ähnliche Situation gerate.
15. September 2009 um 19:04
Wie befürchtet, man macht sich grundsätzlich Gedanken um das Wohlergeben der Täter:
http://www.netzeitung.de/politik/deutschland/1463679.html
Es verschlägt einem die Sprache.
15. September 2009 um 19:20
@ ruediger: Die Politik will den Vorfall nicht zum Wahlkampfthema instrumentalisieren? Der Wähler wird sich bei der Wahl erinnern, die Folgen könnten fatal sein.
Ich kann grad garnicht soviel kotzen wie mit schlecht ist.
15. September 2009 um 19:29
Immerhin möchte man postum das Bundesverdienstkreuz verleihen.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,649008,00.html
Dann ist ja das politische Gewissen hübsch beruhigt.
15. September 2009 um 19:42
Die Rechtsprechung ist absolut nicht ausreichend.
Die Täter werden resozialisiert, machen noch eine Ausbildung im Knast und gut is’ für die. Übrig bleibt das Opfer, dass sein leben verloren hat und die Familie die durch solche Drecksäcke ein Familienmitglied verloren haben. Ab ins Arbeitslager mit diesen Kriminellen. Steine kloppen. 
LG
15. September 2009 um 20:28
Jugendstrafrecht…. alles Blödsinn. Wenn ein 18-Jähriger alt genug zum Morden ist, dann ist er auch alt genug für die Strafe – Punkt. Dieses Gesetz ist veraltet.
Aber im Knast felt es den Brüdern ja an nichts. Haben alles bis auf den Freigang. Und bei guter Führung auch noch die zeitige Entlassung. Wer einen Mord begeht verwirkt in meiner Sichtweise auch das Recht auf Freitheit – und zwar lebenslang, nicht nur (10) 15 Jahre.
16. September 2009 um 20:10
Flocke fragt: “Wo aber liegt der generelle Grund für die ständig wachsende Gewaltbereitschaft dieser Menschen… ?”
Niemand mag bzw. darf mehr Grenzen setzen, das ist nämlich autoritär.
Die berechtigte Revolte von einst gegen eine extreme autoritäre Erziehung ist ins Gegenextrem umgeschlagen und jetzt haben wir den Salat bzw. ernten wir diesen.
Immer wieder gern empfohlen die Bücher von Michael Winterhoff über die Erziehung von Tyrannen (siehe sein Eintrag auf Wikipedia)
16. September 2009 um 21:56
@ Ruediger: Ich halte das nur dann für eine gute Idee, wenn gleichzeitig die Täter mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden, das m.E. auch ausgeweitet werden muss. Andernfalls werte ich das als Verhohnepiepelung des Opfers.
@ Frau Wolkenlos: Donnerwetter, Sie können ja fluchen wie ein Bauarbeiter! Respekt!
@ Thomas: Wir sind uns im Groben einig.
@ Wil: “Die berechtigte Revolte von einst gegen eine extreme autoritäre Erziehung ist ins Gegenextrem umgeschlagen…” Da ist sicher was dran…, aber wie kriegen wir nun die Rolle-rückwärts hin?
Danke Deine persönliche Empfehlung auf das Buch und den Autor. Ich hatte überlegt es nachträglich zu verlinken, mich dann aber doch dagegen entschieden, da ich es (noch) nicht selbst gelesen habe. Es gibt eine Menge guter Bücher in dieser Richtung, allerdings immnoch nicht genug. Das Thema muss noch viel präsenter werden, viel mehr öffentlich diskutiert werden… Ich hoff da mal auch auf Deine Unterstützung
17. September 2009 um 04:08
@Flocke, welche da fragt: “aber wie kriegen wir nun die Rolle-rückwärts hin?”
Indem wir endlich alle ehrlich sind und nicht alles bzw. jeden reflexartig als “rechtspopulistisch”* abstempeln, was bzw. wer (wieder) nach mehr Ordnung u.ä. fordert.
(* = der hiesige SPD-Kandidat hat mich bzw. Schoggo-TV gestern öffentlich als “rechtspopulistisch” bezeichnet, was mich eigentlich ehrt.)