Weihnagten

Vor vielen Jahren lebte ein kleiner Junger, der war immer sehr artig. Seine Eltern hatten ihn sehr lieb und er war ein absolutes Wunschkind. Der Knabe hatte blonde Locken an denen er,wenn er müde war, immer drehte. Dadurch kringelten sich seine Löckchen immer noch mehr und er sah aus wie ein kleines Engelchen. Niedliche kleine Pausbäckchen umspielten sein kleines Näschen, denn Essen tat er recht gerne. Am Liebsten aß er Rosinenbrot, Fischstäbchen, Wiener Würstchen mit Ketchup und in heißem Schmalz ausgebackenen Spritzkuchen mit Zuckerguß. Natürlich musste die Mutter aufpassen damit der kleine Junge nicht zu dick wurde und so gab es all diese Leckereien auch nur manchmal.

Als der Herbst mit seinen bunten Blättern gegangen war, die Bäume kahl und das Wetter immer kälter wurde, setzte die Mutter dem Knaben eine warme Mütze auf wenn sie rausgingen. Dem kleinen Jungen gefiel das, denn er trug sehr gerne Mützen. Er bekam einen dicken Schneeanzug, in blau mit roten Nähten, der so dick war, das er die Arme kaum anlegen konnte und ein paar dicke Handschuhe und einen Schal dazu. Es wurde immer kälter…

Der kleine Junge fing an Sehnsucht zurück nach dem Sommer mit seinen warmen Temperaturen zu bekommen und fragte seine Mutter wann es denn endlich wieder warm wäre. Da erzählte sie ihm von dem großen Weihnachtsfest, das jedes Jahr im Winter stattfand und das er in diesem Jahr zum ersten Mal bewußt erleben würde. Vorher käme aber noch der Nikolaus…

Tausend Fragen stellt der kleine Junge nun: Warum es Weihnachten nur im Winter gäbe, wie der Likolaus und der Weihnagsmann aussähen, ob er sie sehen dürfe, wieviele Geschenke es gäbe und vor allem Dingen was er bekommen würde. Die Mutter antwortete geduldig und zeigte ihm viele bunte Kataloge, in denen herrliche Weihnachtsgeschenke zu sehen waren. Seine kleinen Fingerchen wanderten über das bunte Kunstdruckpapier und blieben oft hängen um die Mutter auf einen weiteren Wunsch aufmerksam zu machen. In der Stadt war mittlerweile auch alles festlich geschmückt und der kleine Junge, der eigentlich gar kein rot mochte, brachte jedes rote Teil mit Weihnachten in Verbindung. So wurde aus dem roten Hefter, der immer in Papas Zimmer lag, ganz schnell ein "Weihnagsbuch" und die Wohnung veränderte sich nach in nach in eine künstlerische Wanderausstellung. Es wurden bunte Ketten gebastelt und überall hingehangen. Der kleine Junge bastelte mit Freude mit und führte jeden Besucher mit den Worten "Guck mal, is Weihnagten!" durch eben diese Ausstellung.

Es wurde immer kälter, Schnee fiel inzwischen in rauhen Mengen und bedeckte die Straßen und Bäume mit einem weißen Kleid.

Eines morgens, als die Mutter gerade in der Küche beschäftigt war, hörte sie aus dem Zimmer des kleinen Jungen ein lautes: "Maammaaa… kuck mal!" Der Sohn stand in seinem Bettchen und zeigte auf seine roten "Weihnagsstiefel", die mit lauter Leckerein gefüllt waren. Daneben lagen noch Äpfel und Nüsse… und langsam, als die Mutter schon bei ihm war, dämmerte es ihm: Das war vom Likolaus! Nun schnell aus dem Bett und genau nachgesehen, jedes einzelne Stück wurde mit einem "Oh, kuck mal!" kommentiert, die Mutter stand daneben und lächelte.

Seit ein paar Tagen hatte der kleine Junge nun auch einen Adventskalender, aus dem er sich jeden Tag ein Stück Scholade rausnehmen durfte. Das war immer sehr spannend, denn es war jeden Tag ein ganz bestimmtes Türchen das geöffnet werden musste. Die Mutter suchte immer ganz lange, welches Türchen es denn heute war und tat sehr konzentriert dabei.

Die Adventszeit war eingekehrt, auf dem Tisch standen Kerzen, die herrlich flackerten und wunderschön aussahen. Der kleine Junge wollte sie anfassen, aber die Mutter erlaubte das nicht, sie sagte immer "Nein, nein! Heiß!!!". Er konnte damit wenig anfangen, denn er wusste nur, das er etwas nicht machen sollte, wenn die Mutter "Nein, nein!" sagte. Er richtete sich auch immer danach, fast immer… bis die Neugier siegte:

Die Mutter wusch das Geschirr ab. Er saß auf der großen Eckbank daneben und wähnte sich unbeobachtet… Die Mutter war beschäftigt, nahm ihn sicher garnicht wahr… Jetzt könnte er… Rasch noch ein schneller Blick zu Mutter und dann laaangsaam, ganz vorsichtig das Zeigefingerchen in Richtung der Kerzenflamme strecken… um dann laut und erkennend "Haiß" zu rufen.

So lernte der kleine Junge die Bedeutung des Wörtchens "heiß" am eigenen Leibe kennen. Die Mutter, die wegen der nahenden Gefahr das Ganze aus dem Augenwinkel beobachtet hatte, lächelte milde. Es war ja nichts passiert, außer das der kleine Junge was Neues gelernt hatte…

Der Papa kam oft mit seltsamen Paketen deren Inhalt er von außen nicht erkennen konnte nach Hause. "Das sind alles Weihnachtsgeschenke, Du mußt noch bis Weihnachten warten" hatte der Papa gesagt. Sie wurden alle auf den riesigen Schrank im Schlafzimmer der Eltern gelegt. Leider kam der kleine Junge da noch nicht ran, und so stand er oft davor und dachte über den Inhalt nach. Wenn er größer wäre, dann würde er… aber noch war er eben ein kleiner Junge. Aber er würde wachsen. Und er würde sich damit beeilen…

Vater und Mutter schickten ihn jetzt öfter mal kurz aus dem Zimmer, weil sie über Weihnagten reden mussten. Was die da wohl besprachen? Er war nicht neugierig, aber er musste doch alles lernen. Wie sollte er Bescheid wissen wenn er nichts wusste? Es war reiner Wissensdurst, der ihn antrieb seine Ohren an die Wohnzimmertür zu legen, während die Eltern über Weihnagten sprachen… Er konnte fast jedes Wort verstehen und drückte seine kleinen Ohren noch dichter an die Tür… "Zum Glück haben wir ja ein Kind das nicht lauscht" sagte der Papa gerade " stell  Dir mal vor, wie große Ohren unser kleiner Junge jetzt hätte, wenn er lauschen würde. Vom Lauschen soll man ja gaaanz große Ohren bekommen". Der kleine Junge bekam einen Riesenschreck. Er hatte gelauscht! Würden jetzt seine Ohren gaaanz groß werden? Er legte seine kleinen Händchen an die Ohren um ihre Größe zu erfühlen. In dem Moment kam die Mutter aus dem Zimmer. "Was machst Du denn hier?" wollte sie wissen. Ohne die Hände von den Ohren zu nehmen blickte er sie an, sagte "Nix", drehte sich auf seinen kleinen Beinchen um und rannte in sein Zimmer. Dort setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden, die Hände an den Ohren.

So saß er auch noch da als der Papa eine Weile später in sein Zimmer kam und sich über die seltsame Haltung des kleinen Jungen wunderte. Da beichtete der kleine Junge sein Vergehen und fragte den Papa wie groß denn seine Ohren inzwischen seien. Der Papa lächelte, nahm ihn tröstend in den Arm und erzählte ihm, das dies nur eine Geschichte sei, die er von seinem Papa als Kind gehört hätte und die er eben im Wohnzimmer der Mutter erzählt hätte. Aber eben nur eine Geschichte…

Der kleine Junge war sehr erleichtert und liebte seinen Papa in diesem Augenblick unendlich. Papa war ein richtiger Mann, dem konnte man alles erzählen, der hatte ihn lieb und verstand ihn.

Später wurden Plätzchen gebacken gebacken. Das ganze Haus duftete köstlich. Er durfte beim Ausstechen helfen und so manches Stück, gebackener oder roher Teig, wanderte mehr oder weniger heimlich in das kleine Mündchen. Die Kekse wurden alle in eine große Blechbüchse getan und auf den Küchenschrank gestellt. "Die sind auch für Weihnachten" hatte die Mutter gesagt und der kleine Junge fragte sich wie groß der Weihnachtsmann denn wäre… Bestimmt so groß wie der Vater, vielleicht noch größer? Dicker war er, das hatte ihm die Mutter schon erzählt. Weihnagten war wirklich spannend!

Und dann war es endlich da! Weihnagten! Der Papa hatte einen riesengroßen Tannenbaum besorgt, der sollte heute geschmückt werden. Der kleine Junge wollte ganz viel helfen und guckte aufgeregt zu als seine Mutter mit einem großen Karton ankam in dem lauter bunte Sachen waren die an den Tannenbaum gehangen werden sollte. Bunte Kugeln, die herrlich glänzten, kleine Holzfiguren, Sterne und Kerzen, an denen man sich nicht verbrennen konnte! Zusammen mit Papa schmückte er nun den Baum. Die Mutter hatte gesagt das sei "Männerarbeit". Er ging zu dem großen Spiegel um nachzusehen ob er schon gewachsen war??? … Naja, ein kleines Stückchen… vielleicht…

Der Tannenbaum wurde wunderschön. er wurde in die Ecke gegenüber der Tür aufgestellt damit man ihn schon beim Eintreten bewundern konnte. Diese Kerzen die nicht haiß wurden faszinierten ihn.

Mutter hatte inzwischen den Kaffeetisch gedeckt, die Großeltern würden bald kommen. Und der Weihnagsmann. Wann der genau kam konnte nicht gesagt werden. "Irgendwann wenn es dunkel ist, je nachdem wie er bei dem Schneesturm durchkommt" hatte der Papa gesagt.

Es klingelte. Er rannte zur Wohnungstür. Vielleicht war ja der Weihnagsmann schnell durch den Verkehr gekommen? Vielleicht kam er noch vor den Großeltern? Aber nein, es waren nur die Großeltern.

Es wurde Kaffee getrunken, die Plätzchen oben aus der Dose auf dem Küchenschrank lagen auf dem Tisch und die Oma hatte noch eine Stolle mitgebracht. Der kleine Junge bekam eine große Tasse mit Kakao. Aber den mochte er heute garnicht trinken. Er war mit Warten beschäftigt. Warten auf den Weihnagsmann. Und die Zeit verging nicht…

Es wurde immer dunkler. Der kleine Junge stand am Fenster und blickte hinaus in die weiße Winterlandschaft. Wartete auf den Weihnagsmann…

Es klingelte. Endlich! Das musste der Weihnagsmann sein! Ganz bestimmt!

Und dann hörte er ihn. Donnerwetter, war der laut! Es rumpelte und pumpelte im Treppenhaus, schwere Stiefel stapften die Stufen hinauf. Und dann sah er ihn. Er sah genauso aus wie die Mutter ihn beschrieben hatte, nur nicht ganz so dick. Aber ihn so in Wahrheit, von Angesicht zu Angesicht, gegenüber zu stehen… das ängstigte den kleinen Jungen dann doch auf einmal sehr und er klammerte sich wieder an Mutters Pullover. Die Mutter legte ihm beruhigend die Hände auf die Schultern während sie den Weihnagsmann begrüßte. Der kleine Junge fühle sich dadurch etwas besser, aber die Angst blieb. Der Weihnagsmann hatte so eine tiefe Stimme. So tief, wie der kleine Junge noch niemand hatte reden hören. Er drückte sich ganz eng an die Mutter.

Der Weihnagsmann hatte seinen großen Sack mitten im Zimmer abgestellt und wollte die Geschenke verteilen. Aber Papa meinte, es wäre draußen so kalt und der Weihnagsmann müsse jetzt erstmal zum Aufwärmen einen Schnaps trinken. Opa war zwar nicht draußen gewesen und kalt war ihm auch nicht, aber er trank trotzdem mit. Der kleine Junge stand immernoch ganz eng an die Mutter gepresst und beobachtete die Szene.

Da sah ihn der Weihnagsmann an und fragte ob er denn immer artig gewesen wäre und der kleine Junge war so aufgeregt, das er keinen Ton rausbrachte, sich noch enger an die Mutter drückte und fragend zu ihr hochsah. "Bitte red Du mit dem, ich hab Angst" sagten seine Augen zu ihr. Sie verstand und antortete für ihn. Trotzdem sah der Weihnagsmann ihn immer wieder an und seine Angst ließ einfach nicht nach. Er wollte weg von hier. Weg in sein Zimmer, unter den großen Tisch kriechen, wo man ihn von oben nicht sah und wo die Mutter ihn auch nie fand. Er ließ die Mutter los und… rannte. Rannte in sein Zimmer, kroch unter den großen Tisch und hatte immernoch Angst.

Der Papa kam. Papa kannte sein Versteck. Und dann bückte er sich und kroch neben ihn. Sie saßen jetzt beide unter dem Tisch und kein Mensch würde sie finden. Papa war bei ihm. Alles würde gut werden. So saßen sie eine ganze Weile. Schwiegen. Redeten. Schwiegen wieder. Papa erzählte ihm das er als kleiner Junge auch Angst vorm Weihnachtsmann hatte und das das völlig normal wäre. Nächstes Jahr wäre es schon besser, dann wäre der kleine Junge schon ein großer Junge. So beruhigte sich der kleine Junge wieder und als die Mutter ins Zimmer kam und ihre beiden Männer -so nannte sie Papa und den kleinen Jungen- nicht fand, da zauberte sich der Papa ratzefatz so schnell unter dem Tisch hervor, das die Mutter ganz verwirrt fragte wo er denn herkäme. Papa lächelte- und schwieg. Nein Papa verriet ihn nicht, sein Papa nicht. Wieder war der kleine Junge sehr stolz auf seinen Papa.

Allerdings- der Weihnagsmann, ob der noch da war? Da erzählte die Mutter dem Papa auch schon das der Weihnagmann bereits gegangen wäre, er musste noch zu sehr vielen Kindern und konnte nicht so lange warten. Aber den Sack mit den Weihnachtsgeschenken, den hätte er da gelassen. Sie würde jetzt ins Wohnzimmer gehen um zu sehen was da denn so alles drin sei. Der Papa wollte mitgehen, die Eltern begaben sich in Richtung Wohnzimmer.

Sehr schnell kam der kleine Junge unter dem Tisch hervor gekrabbelt und rannte hinterher.

Und dann packte die Mutter die Geschenke aus, während er bei seinem Papa auf dem Schoss saß.

Viele Geschenke waren das. Die Großmutter bekam eine Kette die herrlich glitzerte, der Opa ein Buch und ein Hemd, die Mutter einen neuen Pullover und eine Bratpfanne, der Papa kuschlig- weiche Fellbezüge für sein Auto. Er aber, der kleine Junge bekam das meiste: Ein Auto, einen aufblasbaren Schrubschrauber den er mit in die Wanne nehmen konnte, eine Lok die auf richtigen Schienen fuhr, Duplo- Steine, ein Malbuch, ein T-Shirt, einen Stoffteddybären, der größer war als er selbst.

Das war die Geschichte vom ersten Weihnachten des kleinen Jungen, der inzwischen ein wirklich großer Junge ist und vielleicht bald selbst einen kleinen Jungen hat, dem er diese Geschichte vorliest. Und wenn der neue kleine Junge dann den alten kleinen Jungen fragt von wem denn all diese Geschenke waren, dann wird der alte kleine Junge zu dem neuen kleinen Jungen sagen: "Ich erinnere mich nicht mehr. Aber das T- Shirt, das war von meinen Großeltern. Meine Großeltern haben mir nämlich immer T- Shirts gekauft."

Und vielleicht erzählt er ihm dann auch noch die Geschichte von den T- Shirts.

Aber das ist eine andere Geschichte.

3 Antworten zu “Weihnagten”

  1. ronald werner sagt:
    www.gravatars.com

    Toll,
    Danke

  2. Neri sagt:
    www.gravatars.com

    Eine sehr schöne Geschichte! Es geht nicht etwa um den Lieblingssohn? :roll: Schöne Grüße!

    LG, Neri

  3. Flocke sagt:
    www.gravatars.com

    Das, lieber Neri, überlass ich der Fantasie der geschätzten Leserschaft :wink:

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