Rauhes Nordsee-Heilklima im Wohnzimmer?

Die alljährliche Erkältungszeit hat mal wieder begonnen. Auf dem kroetengruenen Anwesen sind auch schon reichlich Bazillen rumgeflogen, Schatzi krepelt seit nunmehr 14 Tagen. Ein Infekt, dem mit Antibiotika nicht beizukommen ist, sagt unsere Medizinfrau. Nachdem ich mich auch einige Tage recht unwohl gefühlt habe und mir auch noch den Hintern verrenkte, sodass ich einige Tage kaum aus dem Bett kam, gehts mir aber wieder etwas besser.

Nun hört man ja zuweilen von Kuren an der Nordsee, die das Immunsystem aufbauen sollen und besonders bei Erkrankungen der Atemwege verordnet werden. "Salzhaltige Meeresluft" heißt das Zauberwort.

"Naja", dachte ich mir "warum eigentlich nicht?" als mich die dot-friends anschrieben, mit der Bitte ob ich den SALIVENT-Aerosol-Inhalator testen und über meine Erfahrungen mit dem Produkt schreiben möchte. dot-friends arbeitet im Auftrag der Schäfer Produkte GmbH.

"Ein wenig Vorsorge zu treffen, wo ich meine jährliche Grippeschutzimpfung noch nicht habe, kann ja nicht schaden."

Also ließ ich mir das Gerät schicken und fühlte mich recht alt dabei. Medizinische Produkte testen? Ach was solls? Sogar die A-Klasse bloggt inzwischen über körperliche Makel wie Hexenschuss, Beckenschiefstellung und Schmerzen in der Schulter,  aber egal. Namen werden hier auch nicht genannt, der Insider kennt sich aus…

Die Werbung verspricht vieles, was mir durchaus logisch erscheint: Allergien, Asthma und Atemwegserkrankungen werden als Einsatzort des SALIVENT-Aerosol-Inhalators genannt. Mikrofeiner Sole-Nebel soll mir das Gefühl einer kleinen, entspannenden Salzluft-Reise vermitteln. Reisen ist ja mein Ding, also setz ich mich hin und lese erstmal die Gebrauchsanweisung, die ich auch nach dreimaligem Lesen noch etwas verwirrend finde. Ich frage den Lieblingssohn, der auch nicht recht durchblickt. Muss man nun das Kabel an die Stromdose oder kann man auch ausschließlich mit heißem Wasser? Wie sonst sollte das Gerät auch für unterwegs geeignet sein?

Also wird einfach probiert. Zunächst mal die Variante mit dem kochenden Wasser. Auffüllen, zwei Minuten warten, Wasser ausgießen. (Vermutlich soll in diesen zwei Minuten die Betriebstemperatur erreicht werden.) Jetzt das beiliegende medizinische Salz und eine Portion Wasser mittels des beigefügten Messbechers abmessen, beides in den Aerosolator geben und den angefeuchteten Schwamm aufs Röhrchen mit Ventilring schieben, zuschrauben, Atemmaske aufsetzen,  fertig. Das ging leicht, funktioniert nur leider nicht… Ich spüre nichts.

Mittels eines kleinen Schiebereglers im Ventilring soll man den Dampf individuell auf seinen persönlichen Bedarf einstellen können. Also wird an den Atemlöchern justiert, leider ohne erkennbaren Erfolg. Ich stecke meine schlanken, wohlgeformten Finger in das Röhrchen und stelle fest, das sich an seinen Außenwänden salzhaltiges Kondenswasser gebildet hat. In meiner Nase kann ich allerdings nichts von diesem mikrofeinen Sole-Nebel spüren, also probiere ich es nun mit der Strom-Variante.

Dazu nehme ich nocheinmal frisches Wasser, diesmal das Wasser kalt und wieder mittels Dosierbecher dosiert.

Die Aufwärmzeit für das Gerät soll 20 Minuten betragen. Natürlich habe ich auch einen neuen Beutel von diesem medizinischen Salz reingetan und das Gerät vorher gründlich gereinigt.

Nach 22 Minuten inhaliere ich erneut. Ich meine, einen kleinen Hauch feuchter Luft zu spüren, allerdings ganz minimal. Muss ich den Stecker jetzt rausziehen, oder während der Behandlung in der Steckdose lassen?

Wieder folgt ein Blick in die Gebrauchsanleitung… in der zu diesem Thema nichts zu finden ist.

Irgendwie soll das Gerät ja auch auf der Basis einer Thermoskanne funktionieren, jedenfalls habe ich das so verstanden. Also ziehe ich den Stecker und entziehe damit dem Aerosolator wieder seine Wirkung. Logisch, denn das auf 38° erhitze Wasser kann durch die Justierlöcher entweichen (Dampf steigt nach oben, eine Erkenntnis aus dem Unterricht eines Fünftklässlers, Stichwort: Verdampfen- Verdunsten- Verdichten), es strömt kalte Luft in das Gerät und das Wasser kühlt ab…

Okay, also Stecker wieder rein und warten bis die 38° Betriebstemperatur wieder erreicht sind. Jetzt wieder inhalieren. "Mama? Wohin mit der eingeatmeten Luft? Wieder in den Inhalator?" fragt der Lieblingssohn. "Sieh einfach nach, liebes Kind, das steht in der Gebrauchsanweisung!" Sohni findet nix. Ich auch nicht. War ja auch ne blöde Idee von mir… Tschulligung!

Ich hab mich dann an meinen Kuraufenthalt auf Usedom erinnert. Da musste ich immer durch die Nase einsaugen und durch den Mund ausblasen. So hab ichs dann auch gemacht. Das ging ganz gut, allerdings fand ich die Maske nun etwas zu groß. Überhaupt konnte die Maske mich durch ihren lang anhaftenden Plastikgeruch nicht überzeugen. Im Dauerbetrieb gings dann mit diesen Einschränkungen ganz gut, obwohl ich die Temperatur auch um einiges zu niedrig fand, ich denk mal so zwei Grad mehr wären schön. Damit man auch was spürt…

Irgendwie kam ich mir dann bald wie ne Schnüfflerin vor, saß also auffer Couch und schnüffelte mein Sole-Aerosol. Doch, das war ganz nett und einen kleinen Moment lang hatte ich wirklich das Gefühl mich auf einer Seereise zu befinden. Da man das Gerät (man höre und staune: laut Gebrauchsanleitung !) in der intermittierenden Anwendung nicht länger als 60 Minuten benutzen soll, bzw. nach dieser Zeit eine neue Solemischung ansetzen soll, handelte es sich nur um einen Kurztrip. Aber schee wars scho… und ich freute mich auf den nächsten Trip.

Am nächsten Tag mummelte ich mich also wieder in meine Decke auf der Couch ein. Das Gerät, inzwischen ordnungsgemäß und nach Gebrauchsanweisung (!) desinfiziert (alle abnehmbaren Zubehörteile zwei Minuten in heißem Wasser auskochen und den Solebehälter zwei Minuten mit kochendem Wasser ausspülen) setzte ich mir wieder an die Nase. Sie wissen schon: Mit Einsaugen und Ausblasen und mit Strom…

Diesmal spürte ich nach kurzer Zeit bereits ein leichtes Kribbeln in der Nase, von dem ich nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob es angenehm oder unangenehm war. Es war einfach ein seltsames Gefühl, das aber nach 2-3 Minuten wieder verging. So schön wie am Vorabend war es allerdings nicht und so beendete ich meinen Kurztrip diesmal schon nach etwa 20 Minuten.

Am nächsten Morgen erwachte ich mit total ausgetrockneten Nasenschleimhäuten, die bis heute (3 Tage danach) noch nicht besser geworden sind. Ich habe mich deshalb entschlossen den Test abzubrechen. Allerdings muss ich an dieser Stelle auch einräumen das ich mich in einer Dauermedikation befinde, bei der einige Tabletten die Schleimhäute autrocknen können. Insofern ist mir dieses Problem, allerdings in abgeschwächter Form, bekannt. Inwieweit hier ein Zusammenhang besteht, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Unabhängig davon sollte auch seitens der Firma Schäfer der Preis nocheinmal dringend überdacht werden. Das Gerät ist mit 95,– € m.E. weit überteuert und auch die Verbrauchsmaterialien befinden sich in einer der Ware nicht entsprechenden Preisklasse. Ein einfacher Plastik-Inhalator  macht weitaus weniger Aufwand bei der Desinfektion (weil geschirrspülertauglich), kostet ein Zehntel und medizinische Salze gibts beim Discounter auch erheblich preiswerter.

Schade um die gute Idee…

Mein Testurteil: enttäuschend

9 Antworten zu “Rauhes Nordsee-Heilklima im Wohnzimmer?”

  1. Susanne sagt:
    www.gravatars.com

    Ja Produkte kostenlos testen und drüber schreiben, das mag ich auch!
    Allerdings liebe ich es eher unkompliziert :roll: , Warum sollte man auch nicht neue Produkte testen und drüber schreiben, das ist doch die beste Werbung, sofern das Produkt gut ist :cool:

  2. chrille sagt:
    www.gravatars.com

    im ersten moment klang es gut….aber es ist natürlich doof wenn es soviel kostet und nur plaste-elaste ist…dafür 95€ zahlen ?! :shock:

  3. Flocke von Kroetengruen sagt:
    www.gravatars.com

    @ Susanne: Das ist das Schöne bei den dot-friends: Niemand wird zu einer bestimmten Meinung gezwungen. Mein Beitrag beweist das… :razz:

    @ chrille: Du hast offensichtlich nicht richtig gelesen. Setzen, Sechs! :evil:

  4. chrille sagt:
    www.gravatars.com

    oh…sorry Flocke :oops: ähm, nun was soll ich sagen….ich stell mich in die ecke :roll:

  5. Susanne sagt:
    www.gravatars.com

    Die kannte ich noch nicht,muss mich gleich mal auf den Weg machen :mrgreen:

  6. SuMu sagt:
    www.gravatars.com

    habe mich direkt mal beworben :mrgreen:

  7. die Viren haben sich mit dem inneren Schweinehund verbündet | Zwischenwelten sagt:
    www.gravatars.com

    [...] Ölen war da nix zu merken. Vielleicht hätte ich es der krötengrünen Flocke gleichtun sollen und ein Inhaliergerät testen sollen? Wer weiß, ob das geholfen [...]

  8. FRAUFB sagt:
    www.gravatars.com

    Hallo…witzig! Anfangs habe ich auch noch nach dem Ein und Ausknopf gesucht und auch nix geunden ^^

    Anders als du, habe cih aber gute erfahrung mit dem Sali gemacht! klar, 100%ig ging Heuschnupfen und Bronchialbeschwerden auch nicht weg, doch nach wenigen Tagen hat sich schon eine deutliche Verbesserung gezeigt.

    Liegt eventuell auch an Frequenz, wie oft man inhaliert und vielleicht wirkts auch bei jedem beschwerden anders???

    Kleiner Tipp: einfach mal Aromen zuträufeln. ich nimm immer Kamillenduft dazU!!!

  9. die Viren haben sich mit dem inneren Schweinehund verbündet « Zwischen den Welten sagt:
    www.gravatars.com

    [...] Ölen war da nix zu merken. Vielleicht hätte ich es der krötengrünen Flocke gleichtun sollen und ein Inhaliergerät testen sollen? Wer weiß, ob das geholfen [...]

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