Opa und die 30 Pfennige

Opa- das war für mich ein ganz besonderer Mensch. Jemand, der immer Verständnis für mich hatte, der trösten konnte und jederzeit zu Scherzen aufgelegt war. Opa hatte seinen ganz eigenen Humor. Einen Humor, den ich auch heute noch nicht in Worte kleiden kann. In seiner Nähe zu sein erfüllte mich immer mit Freude. Ich habe Opa sehr geliebt.

Als ich in die Grundschule ging, verdiente Opa seine und Omas Brötchen durch Taxifahren. Eine Arbeit, die einerseits nicht den großen Verdienst brachte, andererseits aber eine Menge Gefahren beinhaltete. Zumindest wenn man wie Opa Nachts auf den Straßen unterwegs war.  Aber Opa liebte seinen Beruf. Wenn ich heute darüber nachdenke, muß ich sagen, er war schon irgendwo ein echter Haudegen. Angst vor Überfällen hat er nie öffentlich zugegeben, er fand immer einen Weg sich durch List und Schläue unangenehmen Situationen zu entziehen. Früher hatte er auch mal geboxt, was seinem Selbstbewußtsein stets zuträglich war. Oma dagegen lag oft wach und konnte vor Sorge nicht schlafen.

Oma und Opa lebten in einer relativ zentral gelegenen Wohnung in Berlin, während meine Eltern am Stadtrand eine kleine Wohnung in einem Zweifamilienhaus angemietet hatten. Für meinen kleinen Bruder und mich war das eine sehr schöne Zeit. Wir sind für Großstadtkinder unheimlich frei aufgewachsen, konnten einfach auf die ungepflasterte Straße rennen ohne Angst vor einem vorbeikommenden Auto haben zu müssen. Unsere Wohnsitze lagen etwa 40 km auseinander. Natürlich schaute Opa bei uns vorbei, wenn seine Touren ihn in unsere Nähe führten. Nicht selten stand die Taxe morgens vor dem Haus und Opa wartete geduldig darauf das Mutti die Rolläden hochzog. Ein Signal für ihn, daß die Familie nun wach sei. Erst dann klingelte er.

Natürlich bekam er eine große Tasse Kaffee und frühstückte mit uns. Ich erinnere mich sehr gerne daran. Er erzählte, wie die Nacht verlaufen war, wen er gefahren hatte. Manchmal waren natürlich auch Promis darunter, was ich dann natürlich immer besonders aufregend fand. Und sehr oft endete sein Besuch damit, daß er mich in den Fond seiner Taxe einlud und auf seinem Heimweg einen kleinen Umweg über meine Schule machte um mich dort aussteigen zu lassen.

Er drückte mir dann jedes Mal 30 Pfennige in die Hand, die ich ihm vor der Schule als Entlohnung für die Taxenfahrt in die Hand drücken mußte und er freute sich riesig über die ungläubigen Augen meiner MitschülerInnen, die ich natürlich nicht aufklären durfte.

Dieses Geheimnis hat uns bis zu seinem Tod verbunden und ich denke, es heute und hier in dieser Form lüften zu können. Opa wäre bestimmt einverstanden…

8 Antworten zu “Opa und die 30 Pfennige”

  1. Neri sagt:
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    Echt schöne Erinnerung, Flöckchen! Danke fürs dran Teilhaben lassen und: Mehr davon:!:

  2. Matthias sagt:
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    Eine sehr schöne Anekdote. Ich wünschte, ich hätte auch so schöne Erinnerungen an meinen Großvater. Leider habe ich den einen nie kennen lernen dürfen und der andere hat nie geredet. So kann es gehen.

  3. mannelossi sagt:
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    Ich musste spontan mal an meine (verstorbenen) Opas denken. Danke. :smile:

  4. Flocke sagt:
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    @Neri: Dankeschön!
    @Matthias: Ich hab auch nur einen Opa kennen gelernt, aber der war Superspitze!
    @mannelossi: Willkommen, freut mich Dich hier zu lesen!

  5. kroetengruen.de » Blog Archive » kroetengruen.de proudly presents: sagt:
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    [...] Tja, da war ich Acht. Den Roller habe ich von meinem Opa und meiner Oma zur Einschulung geschenkt bekommen. Ich durfte mir damals aussuchen, was ich haben wollte: Ein Kinderfahrrad Marke "Bambi" oder einen luftbereiften (!) Roller. Aus einer mir schon damals anhaftenden Bescheidenheit heraus habe ich mich für den Roller entschieden, denn ich hielt ihn für billiger. Es war ein Irrtum wie ich bemerken mußte, als es bereits zu spät war… [...]

  6. kroetengruen.de » Blog Archive » Kurtchen sagt:
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    [...] Kurtchen ging auch in meine Klasse. Keine Angst, es wird nicht wieder so traurig wie bei Peter H…Also lest ruhig weiter, denn die Geschichte mit Kurtchen spielt in einer ganz anderen Zeit… 1. oder 2. Klasse… genau kann ich es nicht mehr sagen. Wir lebten damals in diesem Berliner Vorstadtbezirk, in dem Opa… na, ihr wißt schon… [...]

  7. kroetengruen.de » Blog Archive » Usedom sagt:
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    [...] Ich liebe das Meer, ich liebe die See. Mein Taxi-Opa war bei der Marine. Schatzi sagt ich bin ne Seekuh und will mich mal am Wasser begraben lassen. [...]

  8. kroetengruen.de » Blog Archive » Die Geschichte vom blauen Sparfrosch und dem Buch fürs neue kroetengruene Projekt sagt:
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    [...] Das hat mich dann gleich wieder an den Taxi- Opa erinnert, bei dem ausschließlich das gute Paech- Brot auf den Tisch kam und sofort habe ich [...]

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