Meine Meinung:
"(1) Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Die Repräsentation des Gesamtstaates in der Hauptstadt ist Aufgabe des Bundes. Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt.
(2) Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold."
So steht es in Artikel 22 unseres Grundgesetzes.
Ich bin keine Juristin und kann nur mit meinem hoffentlich gesunden Menschenverstand Recht und Gesetz verstehen, oder auch manchmal eben nicht. Den Artikel 22 habe ich bisher immer verstanden und hielt ihn durchaus für sinnvoll.
Jetzt fordern der Verein Deutsche Sprache und der Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland eine Erweiterung um den Zusatz "Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch".
Es soll "dem schleichenden Bedeutungsverlust der deutschen Sprache entgegengewirkt werden" heisst es u.A. in der Begründung.
Achtzehn europäische Länder hätten, neben der Türkei und Korea, bereits einen derartigen Zusatz in ihre Verfassung aufgenommen, meldet Welt-Online.
Müssen wir nun deswegen auch? Oder geht es um ganz andere Ziele?
Bereits vor 2 Jahren habe ich vor dem Untergang der deutschen Sprachkultur gewarnt. Ich liebe meine Muttersprache, das ist kein Geheimnis. Aber kann man eine Sprache per Gesetz vorschreiben? Sprache verändert sich, nicht nur die Deutsche. Schlagt doch mal in einem Englisch-Wörterbuch das Wort "Kindergarten" nach, oder "Sauerkraut". Beides Begriffe die lange vor der ständig wachsenden Globalisierung Einzug in die Englische Sprache nahmen, nämlich unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg. Es gibt noch mehrerer solcher Beispiele… Andererseits muss man ja nu dazu nich gleich n Krieg anzetteln…
Einen sehr informativen Artikel über die Entstehung und Entwicklung der deutschen Sprache habe ich hier gefunden. Auch wenn er recht lang ist, eine bessere Erklärung für die Veränderung der deutschen Sprache kann man m.E. kaum finden.
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel fällt mir ein, eine Parabel aus der Bibel, die noch heute ihre Daseinsberechtigung findet.
Momente wie dieser lassen mich erschauern…
Die Welt verändert sich, wird enger. Grenzen fallen. "Multikulti" ist das Schlagwort unserer Zeit.
Die deutsche Sprache wird, nein- sie muss sich verändern. So wie alle anderen Sprachen auch. Veränderung ist Leben und tote Sprachen haben wir genug.
Ich freu mich auf diese sicherlich sehr langfristig angelegte Verjüngungskur meiner Muttersprache, auch wenn ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied nehmen werde, wünsche ich mir für meine Nachfahren ein friedliches Miteinander ohne Verständigungsprobleme.
Und ich wünsche mir stolze, aufrechte Nachfahren die sich ihren verbalen Umgang miteinander nicht per Gesetz vorschreiben lassen, denn auch das ist Freiheit.
Zu guter Letzt möchte ich noch auf Dr. Lazarus Ludwig Zamenhof hinweisen, der bereits 1887 die internationale Sprache Esperanto entwickelte. Zamenhoff lebte in einer polnischen Stadt deren Bürger verschiedenen Volksstämmen angehörten. Entsprechend groß war das Verständigungsproblem.
Esperanto konnte sich nicht durchsetzen. Warum? Vielleicht weil sich Sprache nicht vorschreiben lässt? Weil sie sich langsam entwickeln muss?











3. Juli 2008 um 06:50
Ich sehe das etwas anders. Sprache und auch Brauchtum sollten unbedingt gepflegt werden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.
Multikulti gut und schön, aber nicht so, dass das eigene Kulturgut dabei komplett verkümmert. Und da ist meiner Meinung nach doch in Deutschland einiges im Argen. Kulturen müssen nebeneinander bestehen können, akzeptiert werden, aber es sollte meiner Meinung nach nicht so sein, dass die Kultur eines Landes vor lauter Multikulti und Globalisierung überrollt wird.
Ich muss mich auch anpassen, wenn ich in ein anderes Land gehe und genau das erwarte ich auch von anderen. Selbst wenn meine Meinung nicht bei allen immer gut ankommt, ich sage sie offen und ehrlich.
3. Juli 2008 um 06:53
“Die Amtssprache ist deutsch.”
So steht es in § 23 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrengesetzes, einem der wichtigsten ergänzenden Gesetzen zum Grundgesetz.
Eine der Regeln zum Grundgesetz besagt nämlich, daß nichts ins Grundgesetz hineinkommt, was nicht schon in einem anderen Gesetz aufgrund der Artikel im Grundgesetz bestimmt ist. Man möchte damit doppelte Bestimmungen vermeiden. Einzige Ausnahmen sind hier die Ländergesetze, die in jedem Bundesland durchaus mal den gleichen Text haben dürfen.
Solange also Beamte und Politiker weiterhin deutsch sprechen und gesetzeskonform ihre Reden schwingen und Briefe schreiben, brauchen wir keine Sorge darüber zu haben, daß die deutsche Sprache an Bedeutung verliert.
Mal am Rande erwähnt: Rund 90 Prozent der weltweit gedruckten Lektüre über Steuerrecht ist in deutscher Sprache erschienen.
3. Juli 2008 um 07:37
Esperanto kann mein Papa sprechen, das hört sich total lustig an. Ich hätte mir in der Schule die Möglichkeit gewünscht, eine Sprache MEINER Wahl lernen zu dürfen. Prinzipiell bin ich dafür, dass Kinder mehrsprachig aufwachsen und leben.
Und was die DEUTSCHE Sprache angeht: sie ist heute schon derart verhunzt, dass es nur noch weniger (Blogger) gibt, die sie richtig gut beherrschen.
3. Juli 2008 um 08:44
Hätte man früher so gedacht würden wir heute immer noch althochdeutsch sprechen, was wohl kein moderner Mensch verstehen würde egal ob deutsch oder nicht (gut, einer unserer Lehrer konnte ein Gedicht in althochdeutsch aufsagen, aber der war auch nicht modern
). Und von einem Paragraphen allein stoppt die Änderung der Sprache nicht – da müssten wir es schon so machen wie die Franzosen und fremdsprachige Begriffe verbieten.
Dazu kommt die Frage, wo man denn anfangen soll – viele “deutsche” Wörter sind auch aus anderen Sprachen, nur kümmert das keinen und in großen Firmen, Wissenschaft und Bildung wird teilweise nur englisch gesprochen ohne, dass die dort arbeitenden Deutschen Angst haben müssten ihre Kultur zu verlieren.
3. Juli 2008 um 10:45
@ Frau Wu: Auch ich liebe die deutsche Sprache und ich setze mich durchaus auch für ihren Erhalt ein, aber ich möchte mir nicht per Gesetzestext vorschreiben lassen sie zu nutzen.
@ CeKaDo: Danke für Deinen Kommentar. Leider fehlt mir der juristische Sachverstand mich dazu zu äußern. Aber hier lesen ja auch Juristen mit. Vielleicht könnten die was dazu sagen?
@ Meg: Leider sind es nicht nur Blogger, die die deutsche Sprache nicht mehr richtig beherrschen. Hinzu kommen die, für meine Begriffe unlogischen, Rechtschreibänderungen der letzten Jahre. Die haben auch noch den letzten Kämpfer verwirrt.
@ Liliana: Genau diese Integration anderer Sprachen in die Deutsche sind es m.E. welche unsere Sprache leben lassen. Allerdings treibt das manchmal schon seltsame Blüten…
3. Juli 2008 um 15:43
Wie schon Liliana gesagt hat, ändert sich die Sprache eben. Früher hat das Französische großen Einfluss gehabt, weil man es einfach schick fand und es gibt genug Wörter aus dem Griechischen. Die Sprache verändert sich heute nur sehr viel schneller, weil es globaler ist. Klar, gibt es da positive und negative Beispiele, doch es würde schon helfen, wenn die Leute nicht einfach englische Begriffe raushauen und gar nicht wissen, was es bedeutet (Public Viewing = Leichenschau, Sinn machen (es heißt Sinn HABEN), etc)
PS: das Captcha ist deine Tel-Nr ja?
3. Juli 2008 um 21:19
ob man Art. 22 (2) GG so stehen lassen kann, weiß ich gar nicht so genau…
4. Juli 2008 um 07:54
Wir würden noch so sprechen, wie in diesem Lied hier:
http://www.youtube.com/watch?v=758jk5a9uvU
Den Text mag man verfolgen und verstehen, wenn man rechts auf “more Info” klickt. Und es ist wirklich deutsch!
Unsere Sprache verändert sich, doch es bleibt immer deutsch. Auch wenn sich andere Sprachen mit unserer Sprache mischen. Es ist, so meine Hoffnung, der langsame und beständige Weg zu einer Weltsprache. Der Traum aller Science Fiction Autoren.
4. Juli 2008 um 14:55
@ Liliana: Nein, meine Tel-Nr. mach ich nicht öffentlich. Das überlass ich gerne Anderen.
@ stolzer Spanier: Danke für den Link. Sehr hübsch!
@ CeKaDo: Danke für den Link. Ein sehr schönes Beispiel.
Den Songtext zum Nachlesen gibts hier
Eine Weltsprache wird sich aus alles Sprachen entwickeln, denke ich. Es wird dauern. Aber jeder wird einen Teil seiner Sprache darin wiederfinden.
4. Juli 2008 um 23:10
interesannt