Die Geschichte von Herrn X, Kapitel III
Während er die beiden anprobierten Hosen auf dem Verkaufstisch übereinanderlegt versuche ich mich wieder von aufkeimendem Groll zu befreien. Seine Unterhosen bringen mir, rein humoristisch gesehen, schon einiges an Lustgewinn. Ich beginne zu schmunzeln und frage mich, was Herr X wohl so beruflich treibt. Sollten die schwarzen Socken mit den dazugehörenden Sockenhaltern einen Aufschluss geben? Quatsch, dumme Flocke, der wird ja wohl nicht in diesem Outfit bei den American-Dreamboys auftreten!
Nun isses passiert! Frau Flocke hat sich wieder eingefangen und beobachtet jetzt Herrn X, wie er die Hosen übereinanderlegt. Die unglaubliche Akkuratesse, mit der er dabei zu Werke geht, erinnert an einen Buchhalter. Er glättet, schiebt, legt neu übereinander, vergleicht. Glättet wieder, bittet um ein Bandmass. Ihm kommt die Idee, ob er beide Hosen eventuell nocheinmal aus dem Stapel im Laden haben könnte. Vielleicht von weiter unten, da wo noch kein anderer Kunde drin war? Nun wiederholt sich die ganze Prozedur also noch einmal. Ich möchte Euch und mir eine Wiederholung ersparen, weshalb ich einfach an der Stelle weitermache, wo nun 4 Hosen übereinander auf dem Verkaufstisch liegen. Herr X stellt Mutmassungen an, ob vielleicht in gerader dieser (dabei zeigt er auf eine dieser 4 Hosen) doch schonmal ein besonders dickerer Mensch gesteckt hat, der die Hose geweitet hat. Obwohl ja die Hose von ganz unten kam…aber…nun ja, wer weiss? Er erzählt etwas von relativ weit, aber auch nicht weiter als die andere gleicher Grösse.
In diesem Moment betritt eine Frau den Laden. Mitte bis Ende 50, gross und stattlich, vollbusig, Lodenmantel, Lodenhut…Nach 20 Sekunden ist klar, es handelt sich um Frau X., die ihren Gatten hier auflesen möchte. Die Dame hat die letze Stunde im nahegelegenen Einkaufscenter verbracht, während ich…naja, lassen wir das!
Nachdem Herr X seiner Frau die Lage und sein Problem erläutert hat, kommt Frau X auf die Idee, vielleicht nochmal extra und ganz neu, sozusagen frisch aus der Maschine, je eine Hose in den beiden Grössen direkt ab Werk zu ordern, damit Herr X dann mal so ganz fabrikfrisch und exklusiv bei mir….
Nu isse durch, die Sicherung bei der Flocke. Ich mach wirklich ne Menge für die Kunden und habe mir dadurch auch einen guten Stammkundenstamm aufgebaut, aber genau an dieser Stelle hier ist Schluss, Aus, Ende, Vorbei! Und zwar absolut und unwiderruflich!
Im Nachhinein war ich selbst erstaunt, wie ruhig, sachlich und vor allem leise ich meine Absage formuliert habe. Die genauen Worte kann ich heute nicht mehr sagen, aber es hat gewirkt!
Herr X entscheidet sich in einer neuen Anprobier-Session unter Anleitung seiner Herzdame genau für die Hose, die ich ihm als erstes gegeben habe. Und er ist so glücklich, dass diese Hose seiner Frau auch gefällt! Ich freue mich sichtlich mit ihm, spüre wie sehr dieser arme Mensch nach Zuspruch förmlich geiffert.
Seine Frau hingegen ist so begeistert, dass sie mich nach einer blauen Hose, gleicher Schnitt, auch Cord, gleiche Grösse, nur eben in blau fragt. Klar gnä Frau, davon haben wir soviel, das wir sie sogar verkaufen! Hell oder dunkelblau? Frau X sieht mich an und sagt den Satz, der mich wohl bis ans Ende meiner Tage verfolgen wird. Sie sagt: "Dunkelblau, fürs Boot, bitte!"
AHA !?
Fortsetzung: Kapitel IV











15. Januar 2006 um 14:45
Kapitän oder Steward?
15. Januar 2006 um 15:11
Nicht dumm gedacht, aber weit entfernt!:grin:
21. April 2008 um 14:42
[...] Fortsetzung: Kapitel III [...]