Das Berliner Nachtleben hat ja kulturell einiges zu bieten und ab und an nehmen wir die Gelegenheit wahr und gehen zu Konzerten, ins Theater, Musical oder Kabarett. Es müssen nicht immer die bekannten Spielorte am Kudamm oder Potsdamer Platz sein, auch die sogenannten "Kleinkunstbühnen" haben uns schon manch wirklich netten Abend beschert. Viele Nachwuchskünstler treten hier auf um den Vortrag ihres Programmes vor Publikum zu üben, die Reaktionen darauf zu erfahren und hier und da vielleicht noch ein wenig am Programm zu feilen, bevor sie auf großen Bühnen auftreten und dort nicht selten vom Fernsehen entdeckt werden.
Einen solchen Künstler wollten wir, nachdem er inzwischen im Fernsehen recht regelmäßig und häufig in zahlreichen Shows als Comedian zu sehen ist, nach ungefähr 10-12 Jahren mal wieder live erleben. Er hatte uns damals ausnehmend gut gefallen und so besorgten wir uns Karten für sein neues Programm. Comedy ist relativ preiswert, für 2 Karten zahlten wir insgesamt 45,– €uro und freuten uns auf einen entspannten, fröhlichen Abend.
Sowohl der Programmtitel als auch der Text der Vorankündigung ließen eine Thematik erwarten, die jeder von uns schon einmal erlebt hat: Liebeskummer. Ein ansich ernstes Thema, das man mit genügend zeitlichem Abstand dann aber auch als Teil des eigenen Lebens annehmen kann und am Ende vielleicht sogar über die eine oder andere eigene bittere Träne schmunzelt…
Insofern sollte diese Thematik auch auf humorvolle, aber nicht verletzende Art aufzubereiten sein.
Nun, Humor ist, wenn man trotzdem lacht und verletzend war dieser Abend für meine und Schatzis Gehörgänge. Will sagen, wenn ich die Wahl zwischen Lachen und Weinen habe, dann entscheide ich mich immer spontan fürs Lachen. In diesem Fall jedoch überdachte ich meine Wahl mehrfach, denn diese Fäkalsprache, die immer wieder unsere Gehörgänge erreichte, ließ mich am Gehörten zweifeln. Konnte das sein?… Auch der Inhalt des Gesagten bezog sich auf Probleme, die mit menschlichen Bedürfnissen durchaus in Einklang zu bringen sind. Mir war als säße ich auf ner öffentlichen Toilette und läse die Wandschmierereien, während ich die Geräusche der Nebenkabine wahrnehme und der Geruch verdauter Kohlrouladen in meine Nase zieht. Zu allem Übel hab ich auch noch ne papierfreie Kabine erwischt…
Der junge Mann neben mir hatte bereits nach wenigen Minuten das Applaudieren eingestellt und wir schlossen uns ihm bald an. Andere lachten noch. Wahrscheinlich handelte es sich um Zuschauer dieser täglichen Fernseh-Shows, in denen Prolls eine ausgewähltere Sprache von sich geben.
Noch vor der Pause spielten Schatzi und ich mit dem Gedanken aufzustehen und zu gehen. Da wir aber Plätze in Reihenmitte hatten, verlegten wir unseren Abgang auf die Pause.
Während des kurzen Weges zum Auto kamen wir mit einem jungen Pärchen ins Gespräch, das sich die 2. Halbzeit auch nicht mehr zumuten wollte und ebenfalls verärgert das Theater verlassen hatte. Mit ziemlicher Sicherheit waren wir Vier nicht die Einzigen die schon gingen.
Im Nachhinein muss ich sagen, dass es natürlich viel schlimmer hätte kommen können. Was mich ärgert ist nicht die negative Erfahrung, damit kann ich umgehen. Die 45,– €uro ärgern mich da schon eher. Besonders wenn ich daran denke, zu welchem wesentlich geringerem Preis dieser Künstler damals eine wirklich tolle Show brachte. Es ist schade um ihn, es ist bedrückend für mich als Menschen, einem derartigen Verfall zuzusehen. Das geht mir wirklich nahe und macht mich traurig.
Andererseits verdient dieser Schmalspurkomiker wohl kein Mitleid, denn letzlich verdient er seinen Lebens unterhalt damit. Und wenn ich mir das vor Augen führe, dann bin ich nicht mehr traurig, dann ärgere ich mich richtig und fühle ich mich nach Strich und Faden verscheißert. Und das, liebe Leser, das ärgert mich am meisten, denn das schafft nicht jeder…