Archiv für die 'Memoiren' Kategorie

Kleine Philosophiestunde

Sonntag, 5. April 2009

Frau Wolkenlos kramt in ihren Kindheitserinnerungen und erzählt auf äußerst amüsante Weise (Klickbefehl!) wie sie als kleines Mädchen dem  Begriff der Seele mittels operativer Techniken erforschen wollte .

Auch mir stellt sich die Frage seit ich denken kann und ich gestehe früher oftmals still in einer Ecke über derartige Dinge philosophiert zu haben. Mein Papa war in diesen Momenten Ansprechpartner für mich, erklärte mir die Welt kindgerecht.

Was die Seele nun im Einzelnen ist konnte auch er mir nicht erklären, aber ich denke heute es sind die wesentlichen Charaktermarkmale aus denen die Seele geboren wird. 

Ein Charakter ist form- und veränderbar, die Gesamtheit seiner Veränderungen durch Erlebtes wird durch den Tod -und damit seiner Unveränderbarkeit- zur Seele, die  durch gemeinsame Erinnerungen in uns weiterlebt. Es sind bestimmte Situationen (Gesten und Mimik eines Dritten, eine bestimmte Musik, eine Farbe, ein Geruch…) die uns an die Toten erinnern und manchmal sogar ein mildes Lächeln entlocken.

Genau aus diesem Grunde glaube ich an ein Weiterleben nach dem Tod. Nicht als über Allem schwebender imaginärer Seelennebel, sondern als Erinnerung in uns, die wir aufrecht erhalten und weitergeben, indem wir von der Seele dieses Menschen berichten. Manchmal über Generationen…

 

 ”Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.” 

[Jean Paul]  

Schulschwänzer- Blogparade

Dienstag, 24. März 2009

Ich bekenne mich schuldig in allen Punkten der Anklage und gestehe die Schule mehrfach geschwänzt zu haben. Ja, Sie lesen richtig, mehrfach geschwänzt, ich schätze mal so 8-10 mal, wobei ich im Ausdenken von Entschuldigungen immer sehr erfindungsreich war. Ich schwänzte nie ohne schriftliche Entschuldigung.

Doch der Reihe nach, meine schulische Unlust ist sicherlich unter anderem auch der Tatsache zuzuschreiben, das ich anfangs immer die kleine doofe war, auf die die Klasse losging. Sone Art Fussabtreter, der sich nicht wehrte, denn den häuslichen Regeln entsprechend durfte ich mich nicht prügeln und dachte mir ganz schlau eine andere Gegenwehr aus: Ich verpetzte meine mich prügelnden Mitschüler bei jeder sich bietenden Kleinigkeit und zog somit ihren berechtigten Groll auf mich, was mir im Endeffekt nicht nur einmal Klassenkeile einbrachte.

Es gab zwar einen Schleichweg über einen Zaun, den ich auch des öfteren benutzte, aber irgendwann verteilte sich die geiffernde Meute auch darauf und mein Schicksal für diesen Tag war besiegelt.

Zur guter Letzt erschien dann auch noch der Satz  ”Karin neigt zum Petzen…” auf meinem Zeugnis und nahm mir vollends den Spaß an der Schule…

Die Idee zum Schwänzen ward geboren und da ich ohne Entschuldigungszettel Schwierigkeiten bekommen würde entwickelten sich in mir erste kriminelle Energien: Ich verließ morgens pünktlich das Haus, stolzierte Richtung Schule -um dann irgendwann einen Haken zu schlagen- und nach genau einer Stunde in gekrümmter Haltung dort wieder aufzuschlagen. Meiner besorgten Mutter erzählte ich etwas von fürchterlichen Bauchschmerzen und das die Lehrerin mich nach der ersten Stunde nach Hause schickt hätte. Einen Entschuldigungszettel bräuchte sie allerdings für ihre Unterlagen…

Mama schrieb mir diese Zettel und ebnete damit meine Schulschwänzerkarriere. Kein Wunder also das meine Aversion gegen die Schule wuchs. So kam es sogar noch während meiner Lehre vor, dass ich einfach keine Lust hatte. Ich erinnere mich noch sehr gut wie meine Eltern verreist waren und ich eines nachmittags zu meiner Oma ging um ihr eine schaurige Geschichte über vormittägliche Übelkeit zu erzählen, der sie angespannt und äußerst besorgt lauschte. Sie verfasste dann auch einen sehr poetischen Entschuldigungszettel in dem sie genau erklärte wo und warum sich meine Eltern gerade wo befanden und das sie nun -sozusagen in Vertretung- den Entschuldigungszettel schrieb. -Schade, den Zettel hätte ich heute gerne…

schulschwaenzer-1801Vorausgehend von der Annahme nicht die/der einzigste bloggende Schulschwänzer/in zu sein, eröffne ich hiermit die “Schulschwänzer- Blogparade” und fordere euch auf in euren Blogs eure Schwänzgeschichten zu veröffentlichen.

Eine Liste aller Teilnehmer/innen wird hier bei mir nach entsprechender Benachrichtigung durch euch veröffentlicht und eure Geschichte verlinkt.  Der Button darf gerne mitgenommen werden.

Die Blogparade endet am 30.4.09, 23.59.59 Uhr

Eine Jury, die noch zusammenzusetzen ist, wird im Mai die schönste Geschichte zum Sieger küren, der/die  dann den Schwänzerorden am Bande erhält. Bewerbungen für die Jury- Tätigkeit bitte über das Kontakformular rechts oben. Bitte begründe darin, warum gerade Du Dich für diese schwierige Aufgabe für geeignet hälst. Bewerbungen ohne Begründung können leider nicht berücksichtigt werden.

Mit dem Absenden Deiner Bewerbung erklärst Du Dich mit der Veröffentlichung derselben auf kroetengruen.de einverstanden.

Nachtrag: Es muss nicht unbedingt der geschwänzte Schulunterreicht sein, es kann auch die Geschichte des geschwänzten Konfirmandenunterrichtes oder der geschwänzte Termin beim Arbeitsamt  oder beim Wanderverein sein. Hauptsache ihr habt geschwänzt, was auch immer!

Ich freu mich auf eure Geschichten!

Teilnehmerliste (wird laufend aktualisiert):

Suriel: Schulschwänzer- Ja ich auch

Luigi: Blogparade: Schulschwänzer

Wirbelwebber: Schulschwänzer

AndiBerlin: Offiziell die Schule geschwänzt

Tommy: Ich gestehe

Lola Frauenplausch: Blogparade: Schule schwänzen

Frau Lossi: Das 1 x 1 des kreativen Schules-Schwänzens

Als Mutti und Papa noch keine Eltern waren

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Während Gabi hier eine zauberhafte Geschichte über silberne Serviettenringe und monogrammbestickte Serviettentaschen erzählte, fiel mir eine Geschichte von Anno-Dazumal ein, die mir leider nur überliefert wurde und daher in einigen Punkten nicht ganz authentisch sein könnte, dennoch wunderbar für eine weitere kleine Zeitreise geeignet ist:

Wir schreiben den Jahreswechsel 1950/51, meine Eltern haben vor ein paar Wochen geheiratet. Viele Dinge sind Mangelware und eine Wäscheleine als Hochzeitsgeschenk versetzte die Braut in Entzücken. 

Das junge Paar träumt den Traum aller Deutschen in dieser Zeit: Der Krieg ist vorbei, Berlin zwar in vier von den Siegermächten besetzten Zonen eingeteilt, aber man blickt wieder nach vorne, begreift langsam das Wort "Frieden", träumt vom Wiederaufbau und krempelt die Arme hoch, will "es" wieder schaffen, ist voller Tatendrang…

Wie gesagt, es fehlt hier und da, aber das Feiern haben die Deutschen auch im Krieg nicht verlernt. Im Gegenteil. Das Geld ist knapp, aber eine Flasche Sekt muss her, letzlich hat man in den letzten Wochen auf so manches verzichtet um dieses Silvester zu einem Spektakel machen zu können.

Besuch hat sich angekündigt, eine einzelne Person. Da muss was auf den Tisch, den die Frischvermählte liebevoll mit angeschlagenem Porzellan deckt. Plötzlich hält sie inne, ist schreckensstarr und haucht: "Wir haben gar keine Sektgläser!" … und schickt den Frischvermählten los um welche "irgendwo aufzutreiben", denn dem Besuch den Sekt in Wassergläsern zu kredenzen, das geht ja nu garnich… Mein späterer Papa zieht also los, stapft durch hohen Schnee zum Kaufhaus Tietz und kommt mit drei Sektgläsern wieder. Einfachstes Pressglas zwar, aber immerhin Sektgläser.

Meine Mutter, die zu diesem Zeitpunkt noch nichts von mir weiß, sieht die Gläser und ist hocherfreut, wenngleich die Kosten ihr Kopfzerbrechen machen. Als gute Hausfrau spült sie die drei Gläser erst einmal tüchtig und nutzt die Spülzeit um sich ein paar Gedanken zu machen. "Was wäre, wenn eines entzwei ginge?" Zu Dritt mit zwei Gläsern Silvester feiern? Das geht einfach nicht, man kann im Zweifelsfall auch nicht zugeben, das nur drei Gläser vorhanden waren. "Das wirkt ja wie angezahlt und abgezählt" denkt sie sich und schickt meinen späteren Herrn Papaa gleich nocheinmal los um ein weiteres Dreierpack zu besorgen. Die Kosten müssten irgendwie eingespart werden, zum Glück ist gerade Ultimo…

Also stapft der gutmütige, liebende Gatte nocheineinmal los.

Und dann, als endlich sechs niegelnagelneue Sektgläser aufm Tisch stehen, da ist auch die Frischvermählte zufrieden, kann "angemessen" mit sechs neuen Sektgläsern ins neue Jahr feiern. Sechs neue Sektgläser- welch Schatz in dieser Zeit!

Von der eigentlichen Silvesterfeier ist wenig überliefert, ich vermute allerdings das Papphüte getragen und Luftschlangen geworfen wurden.

Adventslichter

Samstag, 6. Dezember 2008

oder: Eine kleine biographische Geschichte aus Kindertagen

Wenn ich mich heute so in Berlin umsehe und die teils üppige Adventsbeleuchtung in der Stadt sehe, dann stehe ich manchmal baff erstaunt davor und kann diese Lichterpracht kaum fassen. Tausender kleinerer und größerer bunter Lämpchen schmücken die Stadt, nicht nur die großen Einkaufsstraßen, nein, auch in den Vororten leuchtet, blitzt und blinkt es weihnachtlich.

Ehrlich gesagt ist mir das manchmal schon zu viel und ich erinnere mich an meine Kindertage, als noch echte Wachskerzen in den Fenstern standen. Anfangs für Tausende von Kriegsheimkehrern, die teils verkrüppelt noch aus den Gefangenenlagern kamen und denen die Kerzen den Weg nach Hause leuchten sollten. Später als Andachtskerze für die Verwandten hinter dem "eisernen Vorhang", mit denen wir in den ersten Jahren nach dem Mauerbau kein gemeinsames Weihnachtsfest feiern konnten, denn Passierscheine gab es erst viel später…

Ich hatte jede Menge Verwandte in Ost-Berlin, aber auch in der Zone und ich erinnere mich genau, wie meine Mutter immer je eine Wachskerze in die Doppelfenster stellte und mir auch den politischen Hintergrund erklärte. Soweit mir bekannt ist, wurden diese Andachtskerzen auch im Osten aufgestellt…

Wir wohnten 600 m von der Grenze entfernt und hörten manchmal die Schüsse wenn Fluchtversuche unternommen wurden. Ich wuchs mit der Mauer auf…

Aber ich wuchs auch mit echten Wachskerzen auf. Kerzen, die so manchen Adventskranz oder Weihnachtsbaum in Brand setzen. Mein Vater befestigte den Weihnachtsbaum immer mit einer Schnur an irgendwelchen Nägeln, die er in die Wand einschlug, damit der Baum nicht umfallen konnte.

Ich denke gerne an diese Zeit zurück und manchmal überfällt mich dabei eine melancholische Stimmung, so wie jetzt, während ich diese Zeilen schreibe. Aber das ist okay…

Heute sehe ich aus meinem Wohnzimmerfenster und sehe die Adventsbeleuchtung der Dame unten links gegenüber. Dann denke ich an die Landebahnbefeuerung des nahen Flughafens und wünsche mir diese alten Zeiten zurück. Zeiten, in denen es diese modernen Lichterketten noch nicht gab, in denen die Adventszeit ruhig und friedlich war und ich noch an den Weihnachtsmann glaubte…

Geschafft!

Freitag, 31. Oktober 2008

Am 28.10.2008 um 18:47 hat unsere Enkeltochter Milena nach sieben Stunden Schwerstarbeit das Licht der Welt erblickt und uns zu den wohl glücklichsten Menschen der Welt gemacht! Ganze 50cm und 3405g bringt der kleine Schatz auf die Waage und ist gesund und munter. Liebe Grüße von den unglaublich stolzen Großeltern,

Über Taschengeld und andere finanzielle Zuwendungen

Sonntag, 5. Oktober 2008

Taschengeld hat wahrscheinlich fast jeder von euch bekommen. Bei mir gings damals mit einer Mark pro Woche los. Da war ich 8 Jahre alt und konnte mir meine geliebten Fix&Foxi-Hefte kaufen. Micky Maus gabs damals auch schon, aber die kostete 1,10 DM und dafür reichte mein Geld leider nicht… Übrigens bekam ich eine jährliche Taschengelderhöhung von einer Mark. Also mit 9 Jahren 2 Mark, mit 10 Jahren drei Mark u.s.w…

Aber es gab auch zwischendurch mal kleine Geldgeschenke, zugesteckt von Oma oder Opa, für besondere Leistungen. Das waren einerseits die halbjährlichen Schulzeugnisse, aber auch herausragende Leistungen wie der Erwerb des Freischwimmers oder die Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen anno 19hunderthastenichgesehn. Immerhin 44,5 Punkte. Ich glaub ich bekam nen Fünfer.

Meinen Kaufmannsgehilfenbrief allerdings, damals noch in schnuckligem graugrün gehalten, den wollte auch niemand mehr sehen, da ging es mir ähnlich wie Andi.  Da fragt frau sich doch wirklich, warum sie sich so lange dafür gequält hat… und Mann wahrscheinlich auch…

Liebesbriefe

Dienstag, 30. September 2008

Ganz hinten in meinem Schrank liegt eine alte Schachtel mit Liebesbriefen von Schatzi. Es sind alte Liebesbriefe, die er mir zu Beginn unserer Beziehung geschrieben hat und später, als wir mal eine Weile getrennt waren und uns nicht sehen konnten.

Schreibt man sich heute eigentlich noch Liebesbriefe? Oder macht ihr das alles per eMail oder sms? Habt ihr evtl. vorhandene Liebesbriefe eurer Ex- Freunde/Freundinnen noch aufgehoben, nachdem die Beziehung beendet war? Vielleicht auch noch in die neue Beziehung mit eingebracht und bewahrt sie (dann hoffentlich heimlich) weiter auf? Als Erinnerung an eine unerfüllte große Liebe?

Würdet ihr gerne mal wieder einen richtigen Liebesbrief in den Händen halten? Handgeschrieben, so ganz romantisch und vielleicht sogar mit Gedicht?

Anonyme Kommentare werden in diesem Einzelfall ausnahmsweise zugelassen…

Sex vor der Ehe…

Samstag, 27. September 2008

… hat mir mein Vater untersagt.

Offener Brief an Frau W.

Samstag, 6. September 2008

Liebe Frau W.,

bei Ihnen läuft gerade eine nette Diskussion über das Soll-Haben-Verhältnis der modernen Frau bezüglich der ihr zuzuordnenden Kinderzahl in unserer Zeit. 

Ich hatte angedacht, einen Kommentar bei Ihnen zu schreiben. Dabei wurde mir bewusst wie viel ich doch zu dem Thema zu sagen zu haben meine, und deswegen gibts von mir hier einen eigenen Beitrag in Ihnen hoffentlich würdiger Länge.

Die Zeiten, in denen Familien mit fünf und mehr Kindern zur bürgerlichen Normalität gehörten sind  vorbei. Damals wurden oftmals Kinder gezeugt weil billige Hilfskräfte bei der Landarbeit gebraucht wurden, es gab aber auch so gut wie keine Verhütungsmittel, bzw. waren die relativ unsicher. So jedenfalls in etwa die Worte meiner seeligen Großmutter mütterlicherseits. Ich erinnere hier an Knaus- Ogino.

Mit der Industrialisierung am Anfang des letzten Jahrhunderts und der Pille in den 60-igern wurden immer weniger Kinder geboren (Pillenknick) und heute werden Frauen mit 4 Kindern schon oft als asozial angesehen.

Ich habe auch nur den Lieblingssohn. Der ist aber absolut perfekt. Warum soll ich da noch mehr Kinder in die Welt setzen?

Aber lassen Sie mich der Reihe nach berichten:

Ich erinnere mich gut an die Worte meiner Mutter als sie mit meinem kleinen Bruder schwanger war. "Jetzt kannst Du keinen ganzen Apfel mehr bekommen, jetzt musst Du teilen!" Mir hat dieser Spruch nicht weh getan und ich habe wirklich immer gerne mit meinem Bruder die Äpfel geteilt.

Trotzdem: Jedes Kind verursacht Kosten. Kosten, die nicht zu unterschätzen sind. Will heißen, dass sich mit jedem Kind die Kosten potenzieren. Klar, die Klamotten können weitergereicht werden (sofern es sich um das gleiche Geschlecht handelt sogar zu 100%). Trotzdem kosten Windeln, Nahrung, Bettchen u.s.w…  Bei vielen jungen Paaren können diese Kosten in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit nicht abgefangen werden.

Sie berichten über nervige Fragen nach dem 2. Kind, denen Sie gegenüberstanden. Liebe Frau W., ich kenne das! Sie sind wirklich nicht alleine, ich fühle mit Ihnen!  Der Lieblingssohn war noch keine 4 Wochen alt, da gings schon los. Ich hab damals gesagt das frau in den ersten 6 Wochen nach der Geburt keinen Sex haben sollte und somit auch schwer schwanger werden kann. Ich würde aber sofort Bescheid geben, wenn ich mit meinem Mann beizuschlafen gedenke. Der alten Dame, die vorher so debil "Hutzi-Butzi-Bautzi-Duh!" gemacht hatte, entglitten die Gesichtszüge. Was n göttlicher Anblick!

Wissen Sie, liebe Frau W., was mir noch aufgefallen ist? Die vielen gut gemeinten Erziehungsratschläge, die ich von eben jenen "Hutzi-Butzi-Bautzi-Duh!"- Tanten noch gratis dazu bekam. Die "besten" Ratschläge kamen übrigens von ollen Jungfern, die keine eigenen Kinder hatten. Wahrscheinlich war ihnen die Machart zu suspekt…

Wir haben heute die Möglichkeit Kinder zu "planen", hierbei spreche ich ausdrücklich von  Verhütungsmitteln.  Abtreibung ist sicher eine weitere Alternative, die ich aber bei Interesse gerne separat diskutieren würde…

Wir haben, rein theoretisch, die Möglichkeit nur Wunschkinder in die Welt zu setzen. Wie genial! Wissen Sie, Frau W., ich denke Wunschkinder sind die glücklicheren Kinder. Welch Unterschied, einem Kind mit ruhigem Gewissen sagen zu können "Wir wollten Dich ganz doll haben!"  oder "Eigentlich wollten wir Dich nicht!" oder schlimmere Formulierungen, von denen ich schon hörte. Ich denke, sowas wirkt sich auch auf die seelische Entwicklung eines Kindes aus.

Wissen Sie, wir haben uns bewusst für ein Einzelkind entschieden. Genau wie Sie. Das ist vollkommen in Ordnung und wir bereuen nichts. Wir lieben unser Superkind mit einer Inbrunst, die wir niemals wie einen Apfel teilen könnten…

Freundliche Grüße aus der Drei-Raum-Wohnung

von der Ein-Kind-Mutter

                          

Der Kulturschock

Dienstag, 5. August 2008

Das Berliner Nachtleben hat ja kulturell einiges zu bieten und ab und an nehmen wir die Gelegenheit wahr und gehen zu Konzerten, ins Theater, Musical oder Kabarett. Es müssen nicht immer die bekannten Spielorte am Kudamm oder Potsdamer Platz sein, auch die sogenannten "Kleinkunstbühnen" haben uns schon manch wirklich netten Abend beschert. Viele Nachwuchskünstler treten hier auf um den Vortrag ihres Programmes vor Publikum zu üben, die Reaktionen darauf zu erfahren und hier und da vielleicht noch ein wenig am Programm zu feilen, bevor sie auf großen Bühnen auftreten und dort nicht selten vom Fernsehen entdeckt werden.

Einen solchen Künstler wollten wir, nachdem er inzwischen im Fernsehen recht regelmäßig und häufig in zahlreichen Shows als Comedian zu sehen ist, nach ungefähr 10-12 Jahren mal wieder live erleben. Er hatte uns damals ausnehmend gut gefallen und so besorgten wir uns Karten für sein neues Programm. Comedy ist relativ preiswert, für 2 Karten zahlten wir insgesamt 45,– €uro und freuten uns auf einen entspannten, fröhlichen Abend.

Sowohl der Programmtitel als auch der Text der Vorankündigung ließen eine Thematik erwarten, die jeder von uns schon einmal erlebt hat: Liebeskummer. Ein ansich ernstes Thema, das man mit genügend zeitlichem Abstand dann aber auch als Teil des eigenen Lebens annehmen kann und am Ende vielleicht sogar über die eine oder andere eigene bittere Träne schmunzelt…

Insofern sollte diese Thematik auch auf humorvolle, aber nicht verletzende Art aufzubereiten sein.

Nun, Humor ist, wenn man trotzdem lacht und verletzend war dieser Abend für meine und Schatzis Gehörgänge. Will sagen, wenn ich die Wahl zwischen Lachen und Weinen habe, dann entscheide ich mich immer spontan fürs Lachen. In diesem Fall jedoch überdachte ich meine Wahl mehrfach, denn diese Fäkalsprache, die immer wieder unsere Gehörgänge erreichte, ließ mich am Gehörten zweifeln. Konnte das sein?… Auch der Inhalt des Gesagten bezog sich auf Probleme, die mit menschlichen Bedürfnissen durchaus in Einklang zu bringen sind. Mir war als säße ich auf ner öffentlichen Toilette und läse die Wandschmierereien, während ich die Geräusche der Nebenkabine wahrnehme und der Geruch verdauter Kohlrouladen in meine Nase zieht. Zu allem Übel hab ich auch noch ne papierfreie Kabine erwischt…

Der junge Mann neben mir hatte bereits nach wenigen Minuten das Applaudieren eingestellt und wir schlossen uns ihm bald an. Andere lachten noch. Wahrscheinlich handelte es sich um Zuschauer dieser täglichen Fernseh-Shows, in denen Prolls eine ausgewähltere Sprache von sich geben.

Noch vor der Pause spielten Schatzi und ich mit dem Gedanken aufzustehen und zu gehen. Da wir aber Plätze in Reihenmitte hatten, verlegten wir unseren Abgang auf die Pause.

Während des kurzen Weges zum Auto kamen wir mit einem jungen Pärchen ins Gespräch, das sich die 2. Halbzeit auch nicht mehr zumuten wollte und ebenfalls verärgert das Theater verlassen hatte. Mit ziemlicher Sicherheit waren wir Vier nicht die Einzigen die schon gingen.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass es natürlich viel schlimmer hätte kommen können. Was mich ärgert ist nicht die negative Erfahrung, damit kann ich umgehen. Die 45,– €uro ärgern mich da schon eher. Besonders wenn ich daran denke, zu welchem wesentlich geringerem Preis dieser Künstler damals eine wirklich tolle Show brachte. Es ist schade um ihn, es ist bedrückend für mich als Menschen, einem derartigen Verfall zuzusehen. Das geht mir wirklich nahe und macht mich traurig.

Andererseits verdient dieser Schmalspurkomiker wohl kein Mitleid, denn letzlich verdient er seinen Lebens unterhalt damit. Und wenn ich mir das vor Augen führe, dann bin ich nicht mehr traurig, dann ärgere ich mich richtig und fühle ich mich nach Strich und Faden verscheißert. Und das, liebe Leser, das ärgert mich am meisten, denn das schafft nicht jeder…