Archiv für die 'Memoiren' Kategorie

Neulich beim Optiker

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Die Plastikteile am Nasensteg meiner Brille neigen zum grünlich anlaufen, vermutlich eine chemische Reaktion auf meinen blaublütigen Schweiß, daher statte ich dem Optiker, der  ”die hübschen Mädels hat”, alle paar Monate einen Besuch ab und lasse die Nippel austauschen.

Während ich also auf meine neuen Nippel wartete, schwebte eine eine echte Grand Dame  auf dem Duft von Odeur Brûle in den Laden dieser Optikerdisountkette.

Unter ihrem großen roten, breitkrempigen Hut trug sie, neben pechschwarz gefärbten Haaren und jeder Menge  abzubröckeln drohender Fassadenfarbe, eine bulgarische Designerbrille. Sie nahm sich nicht die Zeit, sich in die Schlange der Wartenden einzuordnen sondern schwebte direkt auf  eine gerade freiwerdende Optikerin zu und bat mit ihrer tiefen, whiskeygeschwängerten Stimme und in einem Ton, der keinen Zweifel an der Dringlichkeit ihres Verlangens aufkommen ließ,  um eine “Komplett-Reinigung” ihre Sehhilfe.

Die Optikerin, profihaft-freundlich, nahm die Brille entgegen, ging an das Brillen-Ultraschall-Reinigungs-Gerät, reinigte die Brille und kam zur Kundin freundlich lächelnd und Brille trocknender Weise zurück, überreichte ihr die Brille. Und jetzt, jetzt geschah ganz großes Kino: Die Dame schien irritiert und griff erstmal nach der Brille, auf die sie mit dem einen Auge blickte, während das Andere die Optikerin anvisierte. Dann hob sie an: “Hören Sie mal, ich hatte eine “Komplett-Reinigung” bestellt, putzen kann ich meine Brille alleine!” 

Ehrlich gesagt hätte ich dafür eigens eingestelltes Personal bei ihr vermutet und war jetzt ebenso erstaunt wie die Optikerin, der nun das Lächeln aus dem hübschen Gesicht zu entschwinden drohte.  Auf Nachfrage was denn die Kundin unter einer Komplett-Reinigung verstünde, wurde sie in etwa so belehrt: “Sehen Sie, zwischen Glas und Gestell befindet sich doch ein Höhenunterschied. Beim normalen Reinigen verbleibt immer ein kleiner Schmutzrest in dieser Rille. Ein Optiker muss doch in der Lage sein eine Brille fachgerecht in ihre Einzelteile zu zerlegen, die Teile einzeln zu reinigen und dann wieder zusammen zu setzen!”

Es war bühnenreif, dieses endgültige Entgleiten der Gesichtszüge dieser hübschen Optikerin. Auch ich musste grinsen und hätte die Kundin zum Zahnarzt geschickt, der hätte die Zahnzwischenräume gleich mit erledigen können. So aber erklärte die Optikerin selbstbewusst und mutig ihren fachlichen Unverstand betreffend dieses Problems.

Die Grand Dame entschwebte dem Optikerdiscountladen mit den Worten: “Dann bin ich hier wohl falsch!”

Etwas hat sie aber da gelassen: Die Wolke Odeur Brûle, die wahrscheinlich immernoch im Laden steht…  smilie-zwinker

Der Tag, an dem die Mauer fiel

Samstag, 3. Oktober 2009

Es was der 9. November 1989, Winter also und entsprechend kalt. Viele Menschen waren erkältet und lagen mit Fieber im Bett, so auch ich. Daher habe ich den eigentlichen Fall der Mauer, vollgepumpt mit Grippemitteln, verschlafen. Trotzdem möchte ich mich, wie versprochen, an Tonaris kleiner Aktion beteiligen.

Meine Geschichte beginnt also nicht am frühen Abend gegen 19.00 Uhr, als Günter Schabowski diesen kleinen Zettel verlas, der das Rad der Geschichte in eine völlig neue Richtung drehen sollte. Meine Geschichte beginnt einige Stunden später.

Irgendwann am späten Abend dieses 9. November hatte Schatzi den Fernseher eingeschaltet und die bereits nach West-Berlin drängenden Ostdeutschen auf sämtlichen Sendern gesehen. Glauben konnte er zuerst nicht, was er da sah und so ließ er mich erstmal schlafen und versuchte diese seltsam anmutenden Bilder zu begreifen. Es war die Nacht, in der das “Trabbiklopfen” geboren wurde, die Nacht, in der sich Ossis und Wessis tränenüberströmt in die Arme fielen, die Nacht in der “Wahnsinn” zum Wort des Jahrzehnts wurde und einfach Alle nur glücklich waren. Ergreifende Bilder flimmerten in dieser Nacht und in den folgenden Tagen und Wochen über die Sender und gingen um die Welt.

Und ich habe geschlafen. Schnarrch…

Es muss schon nach Mitternacht gewesen sein, als Schatzi endlich begriff was hier, in unserer Stadt passierte. Von allen Seiten strömten die Ostler nach West-Berlin herein, tanzten gemeinsam mit Wessis auf den Straßen, tranken Sekt und prosteten sich auf eine gemeinsame Zukunft zu. Ein geteiltes Volk feierte gemeinsam seine erste Fete. West-Berlin war DIE Partymeile schlechthin.

Und ich schlief immer noch. Schnarrch…

Schatzi weckte mich: “Hey, wach auf, die Mauer ist offen!” versuchte er es mehrfach. Ich war zugedröhnt mit Grippemitteln, mir war alles egal. Die Nachricht erreichte mich nicht, jedenfalls nicht wirklich. Schatzi musste geträumt haben… und so sagte ich nur irgendwas wie “Jaja”… und schlief weiter. Schnarrch…

Der Tag, nach dem die Mauer fiel

Der nächste Morgen brachte mir dann die Erkenntnis, ein wichtiges geschichtliches Ereignis verpennt zu haben. Schatzi war schon zur Arbeit, neben der Kaffeemaschine lag ein Zettel von ihm, auf dem er mir die historische Nachricht mitteilte.

Nun bin ich morgens nicht die Hellste und so hielt ich das Ganze immernoch für einen Traum von ihm, den er mir aufgeschrieben hat. Manchmal schreibt Schatzi mir seine Träume nämlich auf. Das Radio wars dann, das mich aufklärte. Und ich traute meinen Ohren nicht, rannte zum Fernsehen und konnte diese unglaublichen Bilder sehen. Kochte mir erstmal nen Kaffee um wach zu werden. Vielleicht schlief ich ja doch noch??? Schnarrchen tat ich jedenfalls nicht mehr…

Irgendwann war ich in der Realität angekommen und fing an den Umfang des Geschehenen zu erahnen. Es war ein seltsames Gefühl, das mich beschlich. Einerseits Freude, meine Lieblingstante wohnte im Ostteil der Stadt, andererseits machte sich aber auch eine gewisse Beklemmung in mir breit, denn natürlich schwebte über Allem die Frage, wie es nun weitergehen würde. Die Lage war politisch hochbrisant und ich hatte am 13. August 1961 schon einmal erlebt, wie der Osten einfach die Schotten dichtmachte. Vielleicht käme diesmal gar Schlimmeres? Hier habe ich einen kleinen Einblick in das  West-Berliner Leben zu Mauerzeiten gegeben. Man sollte das wissen, um das Folgende zu verstehen:

Ich war  Mutter eines kleinen Kindes. In dieser Rolle musste ich, als bekennende Glucke, an die daraus resultierenden Folgen für den Lieblingssohn denken. Es war kalt, es war Winter und der Lieblingssohn brauchte dringend mindestens 2 Pullover,  4 Strumpfhosen und dicke Hosen, einen Schneeanzug, Stiefel u.s.w….

Mangels finanzieller Möglichkeiten hatte ich diese Anschaffungen noch etwas hinauszögern und strecken wollen, das Weihnachtsgeld würde bald  kommen und dann wollte ich losziehen.

Nun aber fielen die Ossis in die Stadt ein! Bekamen jeder 100,– DM Begrüßungsgeld und setzten die natürlich auch gleich um. Kauften neben Ananas in Dosen auch technische Geräte wie Radios oder Videorecorder (einige verfügten über eigenes Westgeld, das sie auch zu DDR-Zeiten besitzen durften) aber auch Kleidung. Kinderkleidung. Pullover, Strumpfhosen, dicke Hosen, Schneeanzüge, Stiefel… Aus der anfänglichen Beklemmung wurde Angst, aus der heraus eine gewisse Panik entstand die Besitz von mir ergriff…

Ich war Glucke. Und ich hatte Angst um mein Kind, das erfrieren könnte, wenn der Winter hereinbrach. Ein strenger Jahrhunderttausendwinter vielleicht… und mein Kind ohne Pullover, Strumpfhosen, dicke Hosen, Schneeanzug und Stiefel…

Also fuhr ich los, setzte mich in Richtung Kaufhaus in Bewegung um die begehrten Sachen zu erwerben bevor sie ausverkauft waren… “Kontoüberziehung” lautete das Zauberwort, das mir zu den begehrten Artikeln verhelfen sollte.

Das Bild, das sich mir in den Straßen der Stadt bot, werde ich nie vergessen: Wuselbrusel bezeichnet es vielleicht am Besten. Die Inselstadt West-Berlin war total überfüllt, aus allen Richtungen drängten die Ostdeutschen herein, in den Kaufhäusern und öffentlichen Verkehrsmitteln herrschte ein Schubsen und Drängeln das ich noch nie erlebt hatte. Die Öffentlichen waren total überfüllt obwohl Sonderbusse zum Einsatz kamen und auch an die Schienenfahrzeuge noch Waggons angehangen wurden.

Dieses Bild hielt sich die nächsten Wochen über, wurde durch das Weihnachtsgeschäft warscheinlich noch forciert und klang erst in den ersten Monaten des neuen Jahres aus. Der Erstbedarf der Ossis war gedeckt, es trat langsam Normalität ein.

Mich wundert bis heute, mit welcher hervorragenden logistischen Leistung damals die Ware hier ziel- und termingerecht nach West-Berlin kam. Es fehlte wirklich an nichts und meine Angst betreffend fehlender Kinderkleidung war genauso unbegründet wie die Anderer, die um frische oder konservierte Südfrüchte fürchteten. Es gab nach wie vor Alles. Erstaunlich bei immerhin 16 Millionen neuer Kunden…

Berlin- Über das Leben in einer geteilten Stadt

Dienstag, 29. September 2009

Tonari sammelt Geschichten zum Tag des Mauerfalls am 9. November und ich als gebürtige West-Berlinerin will mich dieser Aktion nicht verschließen, letztlich habe ich bereits den Bau der Mauer miterlebt und kann jede Menge Geschichten davon erzählen.

Zur Einführung erzähle ich euch aber erstmal meine Geschichte als Wessinenkind in dieser geteilten Insel-Stadt:

Gerade hier, im ehemaligen West-Berlin, litten die Bürger nämlich besonders unter der Mauer (Video). Dies machte sich hauptsächlich bemerkbar wenn wir die eingemauerte Stadt verlassen wollten. Nach “Westdeutschland”, wie wir West-Berliner sagten, gab es nur 3 Zufahrtswege, die streng kontrolliert wurden und von denen man nicht abweichen durfte. Die Fahrt über diese Transitstrecken dauerte im Regelfall  etwa 4 Stunden und auf Einhaltung der StVO wurde strengstens geachtet, war es doch eine Einnahmequelle der DDR um an die heißbegehrte D-Mark zu kommen. Sogar die Dauer der Durchfahrtzeiten wurden notiert. Nach Ostdeutschland/Ost-Berlin durften wir nur mit einem Passierschein einreisen, dessen Beantragung allein schon mehrere Stunden Wartezeit einschlossen und der zeitlich begrenzt war. Nicht selten stand meine Mutter 5 und mehr Stunden in der Warteschlange, vor Weihnachten oft länger. Bei der Einreise durften wir dann auch noch “Mindestumtauschen”…

Die “Lieben von Drüben” hats gefreut, wenn wir dann vollgepackt mit West-Artikeln wie Kaffee, Strumpfhosen, Schokolade, Zigarren, Kugelschreibern, Bananen und Apfelsinen bei ihnen eintrafen. Wahrscheinlich hätten sie sich auch ohne das alles gefreut, aber da es sich dabei um Mangelware in der DDR handelte, freuten sie sich wahrscheinlich besonders. Den Mindestumtausch haben wir ihnen auch da gelassen.

Ich erinnere mich 1975 auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz mit meiner Ost-Tante, bei der ich gerade zu Besuch war, nach Weintrauben angestanden zu haben. Die Schlange der Wartenden stand in keinem Verhältnis zum -völlig überteuerten- Angebot. Ost-Berlin, als “Hauptstadt der DDR” verfügte noch über eine recht breite Angebotspalette, hierher kamen ja auch viele Ausländer, die von der tatsächlich existierenden Warenknappheit nichts wissen sollten. Das war in West-Berlin ganz anders, denn hier gab es genügend Ware jedweder Art für Alle. Allerdings hatten wir auch oft nicht das nötige Kleingeld um diese zu erwerben.

Eines will ich nicht verheimlichen, nämlich dass die Mauer auch was Gutes hatte: Man konnte sich hier in West-Berlin nicht verlaufen. Länger als ne Stunde brauchte man mit dem Auto von einem Ende der Stadt bis zum Anderen kaum, Navigationsgeräte wären in den Läden wie Sauerbier liegen geblieben. Aber die gabs ja auch noch nicht…

Fast vierzig Jahre lang, vom 13. August 1961 bis zum 9.November 1989, lag West-Berlin im Dornröschenschlaf. “Selbstständige politische Einheit West-Berlin” nannte die DDR- Regierung unsere kleine Inselstadt, wogegen unsere Bonner Regierung protestierte. Es herrschte der “kalte Krieg“, vor dem auch wir Kinder nicht verschont blieben.

Aber wir gewöhnten uns an alle Besonderheiten dieser Stadt:  an die vielen jungen westdeutschen Männer, die hierher zogen weil in West-Berlin nicht zur Bundeswehr gezogen wurde, wir lernten mit den Schüssen an der Grenze zu leben, die auf fluchtwillige Ostler abgegeben wurden die immer wieder versuchten West-Berlin zu erreichen. Die zahlreichen Fluchtgeschichten füllen ganze Bücher, Fluchthelfer kamen auf die verwegensten Gedanken und holten viele Fluchtwillige  ”nach Drüben” in den Westen. Wir gewöhnten uns nie an die Schlagzeilen über geglückte und gescheiterte Fluchtversuche, waren jedesmal aufs Neue erfreut oder auch niedergeschmettert..

Es gab so viele Mauertote, zu viele, viel zu viele…

Aber an die nicht existierende Sperrstunde, die es im Ostteil der Stadt sehr wohl gab, gewöhnten wir uns. Gerne sogar. West-Berlin hatte Open End und besonders als Jugendliche hätte ich das auch gerne genossen, meine Eltern haben dem jedoch entgegengewirkt. Da die Volljährigkeitsgrenze damals noch bei 21 Jahren lag, musste ich mich ihrer Autorität wohl oder übel beugen…

Ich sag Ihnen mal was: Ich hatte trotzdem Sex… und wurde Mutter. Gebar den Lieblingssohn und verzog ihn in dieser  Stadt zu einem wunderbaren Menschen. Die zweite Generation in dieser immernoch geteilten Stadt wuchs heran…

Teil II: Der Tag, an dem die Mauer fiel

Es war einmal…

Donnerstag, 3. September 2009

… vor vielen Jahren, als wir noch diese herrlichen Campingurlaube in freier Natur machten. Der Lieblingssohn war noch klein und konnte von allem, was da so in Gottes freier Natur kreucht und fleucht, nicht genug bekommen. Das Ganze gipfelte in der Fütterung von Ameisen, die mit den Worten “Nun friss doch endlich!” mittels Weißbrotkrumen in die durch den Kantenumleimer entstandenen Löcher am Campingtisch zu Tode gedrückt wurden. Aber das ist eine andere Geschichte…

Heute möchte ich euch von einem Campingurlaub berichten, der noch weiter zurück liegt.  Viel weiter. In einer Zeit, als es den Lieblingssohn noch garnicht gab, einer Zeit, als Schatzi und ich noch alleine rumtingelten und mit Blumen im Haar das wilde Leben der 68iger genossen…

Damals, als das Reisen mittels Automobil noch angesagt war und die Benzinkosten bei etwa 90 West-Pfennigen lagen ergab es sich das wir einen unserer, später ungezählten, Urlaube in Frankreich machten. Natürlich mit dem Zelt, alles andere hätten wir uns garnicht leisten können. Für “Billige” gabs natürlich auch keine Campingkultur,  die  bestand aus einer Kaltwasserdusche und einem kleinen Häuschen mit Herz in der Tür, Plumpsklo, dafür aber auch kein Strom…

Das Zelt wurde in einem wunderschönen Felsental an der Ardèche aufgebaut, ein sagenhaft schöner Platz, etwas erhöht mit einem Super-Panorama in einem kleinen Laubwald, der wunderbaren Schatten an diesen schwülheissen Tagen spendete. Einen dieser Laubbäume suchten wir uns als Blätterdach aus, bauten unser Zelt auf und freuten uns auf ein paar schöne Tage.

Soweit die Theorie…

Die Praxis sah leider anders aus, denn als wir unseren Mittagsschlaf beendet hatten und aus dem Zelt heraus kamen erwartete es uns: DAS GRAUEN schlechthin… Nein, kein Unwetter übelster Sorte, vielmehr ein Ereignis, das sich dennoch seinen Weg in die kroetengruenen Annalen unter “Naturkatastrophe” bahnte. Die Rede ist von einer Raupenplage allererster Güte. Raupen, die sich zu hunderten tausenden hunderttausenden auf “unserem” und den umliegenden Bäumen befanden und sich in ebensolcher Anzahl auf unser Zelt fallen liessen um dann, auf dem Boden angekommen, in das äußere Vorzelt und später das innere Vorzelt einzudringen.

Nun ist der Campingfreund ansich nicht so leicht zu erschrecken und so machten wir uns todesmutig an das Abnehmen dieser kleinen, possierlichen und extrem dicken, behaarten Tierchen. Rückblickend kann ich ohne Übertreibung sagen das wir den Kampf gegen die Natur aufnahmen… und natürlich unterlagen. Vorne angefangen, in das kleine Eimerchen sammelnd, hatten wir gerade den hinteren Teil erreicht als vorne bereits alles wieder voll war von diesen ekelhaft anmutenden Tierchen, die doch nichts anderes wollten, als sich einmal als wunderschöne Schmetterlinge in die Lüfte zu erheben…

Ich sagte es bereits: Wir unterlagen im Kampf gegen die Natur. Aber wir siegten nach Punkten, denn immerhin haben wir es 2 Tage und 2 Nächte an diesem Platz ausgehalten bevor wir, im wahrsten Sinne des Wortes, unsere Zelte abbrachen. Aber wir haben uns ein Erlebnis verschafft, von dem wir nach Jahrzehnten noch recht bildhaft berichten können.

Übrigens fiel mir diese kleine Geschichte wieder ein, als ich von Chrilles Problem erfuhr. Der denkt nämlich darüber nach, wie er seine Raupenzucht überwintern kann…

Kroetengruen.de & Politik

Mittwoch, 29. Juli 2009

Seit fast vier Jahren besteht nun dieser Blog. Vier Jahre, in denen Themen wie Politik und Religion nur in absoluten Einzelfällen und mit viel Fingerspitzengefühl und Blick auf die absolut notwendige Neutralität der Berichterstatterin angesprochen wurden.

Nun, das Leben ändert sich und auch eine Freifrau Flocke von und zu Kroetengruen wird krumm, kriegt Rücken und kommt schließlich in die Jahre, in der sie die ihre (Ein)Stellung ändern muss.

Gramgebeugt verkünde ich:  Es ist soweit!

Am  27. September 2009  finden die Wahlen zum 17. Deutschen Bundestag statt und die politische Lage in diesem, unserem Land liegt mal wieder in unseren Händen. Wir alle sind nicht nur wahlberechtigt, nein, ich finde wir haben als Bürger dieses demokratischen Landes die moralische Pflicht unser Kreuzchen abzugeben.

Dazu gehört natürlich eine politische Meinung, die wir uns hoffentlich bereits gebildet haben. Dann ist es einfach unseren Favoriten zu wählen.

Es gibt aber auch politisch uninteressierte Menschen. Das ist nicht weiter schlimm, macht es doch einen Teil unserer Individualität aus. Trotzdem sollten auch diese Menschen den Gang zur Wahlurne beschreiten, denn letztlich entscheidet jede einzelne Stimme über die Sitzverteilung der einzelnen Parteien und somit über das Gesamtergebnis. Der virtuelle  Bundesadler beantwortet ihnen alle relevanten Fragen, hat Tipps, nützliche Links zu Parteiprogrammen, etc.

Sicher, es macht etwas Mühe das Wahllokal aufzusuchen. Dafür braucht man aber auch nicht klagen wenn am Wahlabend die favorisierte Partei in die Opposition gehen muss, an euch liegt es ja nicht, denn ihr habt ihnen ja eure Stimme gegeben… Schöner natürlich, “seine” Partei als Sieger zu sehen, aber auch das ist ja möglich.

Ihr seht, Wahl kann auch sehr spannend sein. Ich erinnere mich an eine Wahlparty, die wir am  19. November 1972 feierten. Es handelte sich um  die erste vorgezogene Bundestagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik und war dadurch natürlich auch besonders spannend. Einzelheiten dazu könnt ihr hier nachlesen.

Damals also saßen wir in der Studentenbude eines Kumpels, der so etwa 20 Leute eingeladen hatte. Es war eine Bottle-Fete, jeder brachte was zu trinken mit. Natürlich wurde auch an die Nahrungsaufnahme gedacht und ich erinnere mich  5 kg Fleisch zu Buletten verarbeitet zu haben… Es war schön, es war gemütlich, ich denke noch oft an diesen Abend, den wir auf dem Fußboden sitzend verbrachten. Studentenbude eben… und ich dazwischen mit Blumen im Haar…

Vor der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung mussten wir alle unseren Namen und die Parteien mit ihren von uns geschätzten, zu erwartenden Prozenten auf einen kleinen Zettel schreiben. Wer der Lösung am nächsten kam, gewann einen Preis, an den ich mich heute leider nicht mehr erinnern kann. Vermutlich wars ne Flasche billigsten Lambruscos, den wir damals aus 3-Liter-Flaschen tranken. Dafür kann ich mich aber noch erinnern wer damals gewann, das war nämlich ich… Nein Danke, bleibenSe sitzen, es war wirklich einfach nur Glück.

Was ich heute wähle? Nun, wir haben ja geheime Wahlen und wenn ich Ihnen das jetzt sagen würde, könnte das als Wahlbeeinflussung ausgelegt werden. Nee, ich hab momentan genug anner Backe, ich sag da lieber mal jetzt nix zu.

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Hmm…

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Naja…

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Nee, ich weiss nich…

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Meinste?

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Na gut!

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Aber nur unter strikter Geheimhaltung…

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Hmm…

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Okay…

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Meinen beiden Duzfreunden, also Dir und Dir, zeige ich mal ein Wahlplakat der von mir präferierten Partei. Der is nämlich echt gut und sieht auch Klasse aus…

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Hier:

hsp-wahlkampf-unterstutzt-von-wwwkroetengruende

     Weisste Bescheid, Schätzelein!      

Neulich auf der BAB

Mittwoch, 1. Juli 2009

Die Urlaubszeit beginnt und natürlich finden wir auf unseren Bundesautobahnen wieder zahlreiche Baustellen mit vielen  herrlichen Staus, die zu vergnüglichen Spielen einladen.

Sie kennen das vielleicht noch aus Ihrer Kindheit, wenn Vater und Mutter vorne saßen und uns Kinder auf der Rückbank zum fröhlichen Singen verdonnerten. “Hoch auf dem gelben Wagen” beispielsweise, obwohl wir nie ein gelbes Auto fuhren. Das hat mich übrigens schon damals nachdenklich gestimmt…

 Auch das Erraten der Herkunft der Fahrzeuge anhand ihrer Nummernschilder bereitete uns ein himmlisches Vergnügen. Besonders, als wir später die Städte im Atlas nachschlagen durften. Ja, wir saßen im Stau, hatten Ferien und lernten!  Ach, wat war das damals schön!

Heute ist das alles anders. Da saß ich jüngst mit Schatzi in einem wuderschönen Stau und wir beobachten die Leute in den Nachbarautos. Wie man in einen Stau kommt, ist übrigens ganz einfach:

Nehmen Sie einfach die richtige Autobahn in die falsche Richtung. Alles andere kommt (fast) von selbst:

  1. Sie finden sich auf einer der bereits beschrieben Großbaustellen wieder, bei denen mindestens die nächsten beiden Ausfahrten gesperrt sind.
  2. Sie haben jetzt gute 1½ Stunden Zeit sich in Ruhe
  3. die Landschaft anzusehen,
  4. auf den Tee des Roten Kreuzes zu hoffen,
  5. zu Knutschen und ggf. auch ein bisschen zu fummeln,
  6. oder aber seine Neugier zu befriedigen und mal gucken, wer im Nachbarauto
  7. singt,
  8. popelt,
  9. Grimassen schneidet oder
  10. sich Pickel ausdrückt.

Ich verspreche Ihnen ein heiteres Stündchen.

Irgendwann, als mal wieder “eingefädelt” werden musste, hatten wir plötzlich ein anderes Auto vor uns und freuten uns ob der Abwechslung. Was soll ich Ihnen sagen? Es waren mal wieder einmal die Paparazzis, die mir auflauerten. Schamlos nutzen sie unsere Situation des Nicht-Entrinnen-Könnens aus.

Aber sehen Sie selbst:

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Natürlich hab ich mich zusammengerissen und gelächelt, frau ist ja Profi. Aber zum Fummeln hatte ich nun auch keine Lust mehr…

Glaube und Aberglaube

Donnerstag, 14. Mai 2009

Vor dem Glauben seiner Mitmenschen sollte man Respekt haben, auch wenn man ihn nicht unbedingt teilt. Deswegen gibt es hier auch wenig über Religionen zu lesen,  es sei denn es handelt sich um religiöse Aufklärungsarbeit. Heute ist es mal wieder soweit und ich möchte euch eine kleine Anekdote erzählen, die ich vor einiger Zeit erlebt habe:

Gemütlich saßen wir mit Familie beim Griechen und machten uns einen netten Abend, bei dem recht viel gelacht wurde. Das Essen war super lecker und wurde mit ein paar Ouzos runtergespült. Wegen der Verdauung, wenn Sie verstehen… Die Stimmung wurde immer lockerer und draußen fing es an zu Nieseln. “Kein Problem” dachte ich nun so für mich “ich hab ja nen Schirm dabei.” Noch während ich dies dachte fiel mir ein das es sich um einen kürzlich getätigten Neuerwerb handelte und so berichtete ich fröhlich, einen weiteren Ouzo trinkend, von meinem neuen Schirm den ich heute noch einweihen würde. Ich freute mich schon fast auf diesen Moment, denn ich hatte ihn mir von der griechischen Insel Rhodos, aus einem der vielen dort ansässigen Schirmläden, mitgebracht.

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Warum ich den Schirm mitten im Lokal aufspannte, wird sich meiner Kenntnis wahrscheinlich für immer entziehen, entweder war es dem Interesse meines Gegenübers (einer Schirmsammlerin) gezollt oder aber der Tatsache, das sich zu diesem Zeitpunkt außer uns nur noch vier weitere Gäste  im Lokal befanden.

Natürlich musste die Schirmsammlerin den aufgespannten Schirm auch mal in die Hand nehmen und die anderen wollten auch mal sehen. So wanderte mein neu erworbenes Schmuckstück im Lokal eine Weile aufgespannt hin- und her und wir hatten eine Menge Spaß, bis plötzlich… ja, bis plötzlich der Kellner vor uns stand und erklärte das es sich hierbei um einen Bruch mit griechischen Sitten handele. Dem Glauben zufolge  bringe ein aufgespannter Schirm in geschlossenen Räumen Unglück.

Da der Vorfall bereits rund 10 Wochen zurück liegt und sich das Lokal noch immer in gut erhaltenem Zustand am gleichen Ort befindet, gehe ich mal davon aus das es sich mehr um Aberglauben denn um Glauben handelt.

Wir hatten davon noch nie gehört und ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen um mal nachzufragen ob jemandem von euch derartiges oder ähnliches bekannt bzw. wiederfahren ist?

“Oh Schreck! Wie sieht DIE denn aus?”

Dienstag, 21. April 2009

Kennt ihr das, wenn ihr jemanden nur vom Telefon  “kennt” und ihm plötzlich gegenüber steht?

Ich hatte mal so ein Erlebnis mit einer Kollegin, mit der ich über Jahre einen netten telefonischen Kontakt hatte. Die Zusammenarbeit klappte prima und auch am Telefon (Achtung: Wortwitz!) “verstanden” wir uns prächtig, erzählten uns auch mal Privates.  Eines schönen Tages lernten wir uns persönlich kennen und entliebten uns dabei spontan und heftig.

Unseren Umgang miteinander hat das über einige Zeit erschwert, denn unsere optischen Vorstellungen voneinander deckten sich einfach nicht mit der Realität.  Logisch, wir gaben uns beide Mühe diese gemeinsamen, erkenntnisschweren Minuten zu vergessen, aber erstmal hats geholpert. Wir habens hinbekommen, weil wir im Grunde Seelenverwandte waren. Die Frage, die sich mir seitdem immer wieder mal stellt ist die, warum wir uns durch pure Äußerlichkeiten derart beeinflussen lassen.  Umgekehrt funktioniert das übrigens auch, wie ich aus eigener Erfahrung auch bestätigen kann: Da sieht man das Bild einer Person, auf dem sie sympathisch rüberkommt, aber in der Realität empfinden wir sie  unangenehm, wir mögen sie nicht.

Eine Bekannte erzählte mal von einem Typen, den sie kennengelernt hatte. Er war groß, schlank, gepflegt und durchaus parkett-und tageslichtauglich, verfügte über ein “ach wie süßes” Grübchen , ein “ach so markantes” Lächeln, schenkte ihr diesen “ach so tiefen” Blick.  Kurz: Sie war “ach sooo” verliebt… und nahm ihn mit nach Hause.

Kaum gings an die schönste Nebensache der Welt musste sie feststellen, das sie ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen konnte.

Okay, ich hätte den Typen vielleicht schon etwas eher näher an mich rangelassen und mit großer Wahrscheinlichkeit wären seine Chancen auf ein Frühstück bei mir bereits am Nachmittag gen Null gesunken, aber ich bin eben prüde und teste die Kerle erstmal auf ihre “inneren Werte”, wozu auch der Knutschtest gehört um den Mundgeruchfaktor auf der nach oben hin offnenen Müffelskala zu bestimmen.

Es ist also das Zusammenspiel vieler Faktoren, die im Endeffekt darüber entscheiden, ob wir jemanden mögen oder nicht. Manchmal mögen wir jemanden auch so sehr, dass wir über Dinge hinwegsehen die wir normalerweise ablehnen.

Das dürfte wohl der Moment sein in dem wir anfangen diesen Menschen “kennen” zu lernen, uns mit der Gesamtheit seiner Persönlichkeit auseinander zu setzen und uns vielleicht sogar in ihn verlieben…

Es soll ja Exoten geben…

Mittwoch, 15. April 2009

… die zum Theorieunterricht für den Motorradführerschein regelmäßig ihren Helm mitbringen…kreuz

Eine alte Bastelarbeit…

Sonntag, 12. April 2009

…fiel mir neulich beim Aufräumen in die Hände. Als Schatzi sie das erste Mal sah nannte er sie ganz spontan “Kröte aus dem Ei”. Irgendwie einleuchtend…

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Ich wünsch euch mit dieser alten Erinnerung an Kindertage recht frohe Ostern im Kreise eurer Lieben und bedanke mich an dieser Stelle für die vielen Mails und Osterkarten die mich auch per Post erreichten. Sie haben meinem Ego gut getan. Vielen Dank!