Vor vielen, vielen Jahren lief ich mit Schatzi über den -über die Stadtmauern hinaus bekannten- Spandauer Weihnachtsmarkt, den ich euch übrigens schon wegen seiner wunderschönen Altstadt- Kulisse für die kommende Saison ans Herz legen möchte.
Ich erinnere mich um einen Stand mit Dinkelkissen begeistert herumgeschlichen zu sein. Gekauft haben wir nicht, weil ich Schatzi von der absoluten Überteuerung dieser Kissen überzeugen konnte. Trotzdem hatten sie sich in meinem Hirn festgesetzt und so verging der Sommer nicht ohne das ich nicht regelmäßig an diese Dinkelkissen gedacht hätte… Ich beschloss im Herbst, diesmal auf dem Weihnachtsmarkt ein, nein zwei Dinkelkissen zu kaufen.
Der nächste Weihnachtsmarkt war da. Endlich! Also mach ich mich auf, die beiden Schätzchen zu kaufen. Ich fahre ganz allein nur wegen der Kissen, bummeln können wir ein andermal. Es ist nicht weit, ich wohne in der Nähe. Direkt neben der Kirche, in der schon mein Schwiegervater über das inzwischen über 600 Jahre alte Taufbecken gehalten wurde, gabs immer die Dinkelkissen. Ich steuere auf jenen Punkt zielgenau zu, bleibe abrupt stehen. Der Dinkelmann ist nicht da! Normalerweise haben die Händler ja immer den gleichen Standplatz. Nun heißt es suchen, denn vielleicht steht er ja einfach nur woanders? Nein, leider nicht. Der Dinkelmann steht sicher woanders, aber nicht auf dem Spandauer Weihnachtsmarkt. Mist! Ich geh gefrustet nach Hause. Sch*** Weihnachtsmarkt!
Es wiederholt sich also ein Frühjahr, ein Sommer und ein Herbst ohne Dinkelkissen, wobei meine Lust auf eben ein solches dabei ständig zunimmt. Ich durchschleiche Bettenläden und Kaufhäuser auf der Suche nach Dinkelkissen. Werde fündig, kann mich aber mit keinem anfreunden, denn die auf dem Weihnachtsmarkt haben eine Seite zum Wiederverschließen, wodurch der Inhalt und auch Weiche/ Härte variabel sind. Der Preis ist mir inzwischen wurscht. Ich werde von einer inneren Dinkel- Wolllust getrieben, bin abhängig, träume Nachts von Dinkelkissen zum Wiederverschließen… Zwinge mich bis zum nächsten Weihnachtsmarkt zu warten, es ist ja nicht mehr lange hin. Es ist mein ganz persönlicher "heißer Herbst".
Der 1. Advent, und damit die Eröffnung des Weihnachtsmarktes steht wieder an. Diesmal, ja diesmal muß es was werden! Wenn nicht in Spandau, dann reise ich eben nach Dresden, Leipzig, Hamburg oder Aachen! Ich will dieses Jahr meine Dinkelkissen, setze mich also wieder Richtung Altstadt in Bewegung. Richtung Kirche… Und dann seh ich ihn: Den Dinkelmann! Am Liebsten wäre ich ihm um den Hals gefallen. Schnell hin, 2 Kissen fest an mich gedrückt, bezahlt und ganz schnell wieder nach Hause, die guten Stücke ins Warme tragen.
Und jetzt beginnt die eigentliche Geschichte des Dinkelkissens an sich und im Besonderen:
1. Eigentlich:
Es ist bequem, ganz eindeutig! Nachdem Schatzi und ich unsere individuelle Füllmenge ermittelt haben, freuen wir uns über diese kaum zu beschreibende Schlafkultur, die nun endlich in unserem Schlafzimmer eingekehrt ist. Die Kissen habe eine uns angenehme Stützwirkung, sind dabei auf seltsame Art kuschelig, passen sich dem Kopf- Nacken- Schulterbereich optimal an. Juchhu!
2. Im Besonderen:
Sind sie leider absolut nicht schlaftauglich, denn sie machen sehr seltsame Geräusche. Die Körner reiben bei jeder Bewegung aneinander und verursachen ein sehr unangenehmes Geräusch, welches vor allem von Seitenschläfern besonders extrem wahrgenommen wird.
Wegen der schon o. g. Bequemlichkeit habe ich mich also entschlossen, aus beiden Kissen eines zu machen und habe mir einen entsprechenden Bezug (natürlich wiederverschließbar) selbst genäht. Das haben wir jetzt schon seit etlichen Jahren als Kuschelkissen auf der Couch zu legen. Herrlich bequem, zum reinkuscheln der Arme im Sitzen, des Kopfes bei kurzem Mittagsschläfchen oder auf einfach zum Füße hochlegen. Ein Universalkissen, das jeden Besucher immer wieder neidvoll blicken läßt. Bis ich ihm den Preis nenne: Das Kissen hat 130,– DM gekostet…