oder: Wie wir dreist beklaut wurden
An einem warmen Sommertag vor einigen Jahren waren Schatzi und ich shoppen.
Eben aus dem Urlaub zurück wollten wir uns ein Schneidegerät für unsere frisch gedrehten Super-8-Filme kaufen. Die Spandauer Fußgängerzone, die noch heute zum Shoppen einlädt, war unser Ziel. Neben den drei großen Kaufhäusern gab es eine nicht unerhebliche Anzahl kleinerer Läden, u.a. auch zwei richtige Fotoläden. Also nicht so ein Shop, wo die Abzüge innerhalb einer Stunde fertig sind, sondern richtige Fachgeschäfte. Geschäfte, in denen man jede Menge Kameras und zahlreiches Zubehör kaufen konnte. Das Beste daran war die individuelle Beratung von einem echten Fachmann (!), die man gratis dazu bekam…
Wir waren jung und wählerisch, entschieden uns am Ende für ein Modell der Mittelklasse, was immerhin damals 10% eines Monatslohnes kostete. Aber gut. Letztlich handelte es sich um die Bilder unserer Hochzeitsreise, und die wollten wir nur einmal machen. Außerdem waren wir felsenfest davon überzeugt eine Anschaffung für die nächsten Jahrzehnte gemacht zu haben… Das die Technik uns innerhalb kürzester Zeit eines Besseren belehren würde, ahnten wir Beide zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Nun hatten wir also diesen großen Karton in den Maßen 90-60-90 40-50-40 und waren stolze Besitzer des Schneidegerätes darin. Das musste gefeiert werden!
"Essen gehen!" schoss es uns zeitgleich durch den Kopf, denn es war Mittagszeit und wir verspürten Hunger. Angesichts der eben getätigten Anschaffung war unser Kontostand auf ein minimalistisches Minimum gestiegen, befand sich im Soll. Der Fischladen wurde unser Ziel. Hier schnell n Happen panierten Kabeljau mit Kartoffelsalat- das war preiswert und schmeckte.

Wir gingen hinein und bestellten. Nun muss man erklären, das der Verkaufs- und der Essbereich durch eine etwa 130 cm hohe und recht dünne Wand getrennt waren. Wir standen, denn es gab keine Stühle, uns gegenüber, das Essen und das Schneidegerät zwischen uns auf dem Tisch. Wir führten während der Nahrungsaufnahme ein kultiviertes Tischgespräch, wobei wir uns verliebt ansahen. Ich erinnere mich nicht mehr an die Qualität des Essens, wohl aber an die Tatsache das man uns wirklich unter vier Augen das Schneidegerät gestohlen hat. Wir bemerkten es sogar erst, als wir aufgegessen hatten und gehen wollten…
Wir sind damals zum nahen Polizeirevier gegangen und haben Anzeige wegen Diebstahl erstattet. Der aufnehmende Polizist machte uns wenig Hoffnung, das wir das Schneidegerät wiederbekommen würden und er äußerte einen Verdacht, denn in letzter Zeit hätten sich die Diebstähle in dieser Lokalität gehäuft, Beweise gäbe es aber bisher keine.
Das nutzte uns leider wenig und wir bekamen nach ein paar Wochen Post: Das Verfahren war eingestellt…