Adventslichter
oder: Eine kleine biographische Geschichte aus Kindertagen
Wenn ich mich heute so in Berlin umsehe und die teils üppige Adventsbeleuchtung in der Stadt sehe, dann stehe ich manchmal baff erstaunt davor und kann diese Lichterpracht kaum fassen. Tausender kleinerer und größerer bunter Lämpchen schmücken die Stadt, nicht nur die großen Einkaufsstraßen, nein, auch in den Vororten leuchtet, blitzt und blinkt es weihnachtlich.
Ehrlich gesagt ist mir das manchmal schon zu viel und ich erinnere mich an meine Kindertage, als noch echte Wachskerzen in den Fenstern standen. Anfangs für Tausende von Kriegsheimkehrern, die teils verkrüppelt noch aus den Gefangenenlagern kamen und denen die Kerzen den Weg nach Hause leuchten sollten. Später als Andachtskerze für die Verwandten hinter dem "eisernen Vorhang", mit denen wir in den ersten Jahren nach dem Mauerbau kein gemeinsames Weihnachtsfest feiern konnten, denn Passierscheine gab es erst viel später…
Ich hatte jede Menge Verwandte in Ost-Berlin, aber auch in der Zone und ich erinnere mich genau, wie meine Mutter immer je eine Wachskerze in die Doppelfenster stellte und mir auch den politischen Hintergrund erklärte. Soweit mir bekannt ist, wurden diese Andachtskerzen auch im Osten aufgestellt…
Wir wohnten 600 m von der Grenze entfernt und hörten manchmal die Schüsse wenn Fluchtversuche unternommen wurden. Ich wuchs mit der Mauer auf…
Aber ich wuchs auch mit echten Wachskerzen auf. Kerzen, die so manchen Adventskranz oder Weihnachtsbaum in Brand setzen. Mein Vater befestigte den Weihnachtsbaum immer mit einer Schnur an irgendwelchen Nägeln, die er in die Wand einschlug, damit der Baum nicht umfallen konnte.
Ich denke gerne an diese Zeit zurück und manchmal überfällt mich dabei eine melancholische Stimmung, so wie jetzt, während ich diese Zeilen schreibe. Aber das ist okay…
Heute sehe ich aus meinem Wohnzimmerfenster und sehe die Adventsbeleuchtung der Dame unten links gegenüber. Dann denke ich an die Landebahnbefeuerung des nahen Flughafens und wünsche mir diese alten Zeiten zurück. Zeiten, in denen es diese modernen Lichterketten noch nicht gab, in denen die Adventszeit ruhig und friedlich war und ich noch an den Weihnachtsmann glaubte…











6. Dezember 2008 um 19:48
Tjaja – “zuviel des Guten” trifft’s auch hier. Ich finde einzelne, schmückende Lichtakzente auch wesentlich besser, als ein Aufbau, der so manchen Discobetreiber ehrfürchtig erstarren lässt…
PS: Iss das ne Eskimo-Puppe?
Neri schrieb zuletzt Chitime Blogwichteln – die Bescherung
6. Dezember 2008 um 20:04
Wie wahr, wie wahr…
Die “Weihnachtsampeln”, wie wir diese rot-gelb-grün-durchlaufenden Sterne nennen, sind hier auch verpönt.:evil:
Dirk Frieborg schrieb zuletzt Not schweißt zusammen
6. Dezember 2008 um 21:34
@ Neri: Ja, eine Eskimopuppe, die es damals als Weihnachtsgeschenk von meiner Tante gab, mein Bruder bekam den Teddy
Haste meine blickdichten Strümpfe und die hübschen Stiefel gesehen? Das Kleid hatte meine Mutter selbst genäht
@Dirk: Das Geblinke ist widerlich, macht mich total meschugge. Das hat doch nix mehr mit Weihnachten zu tun…
6. Dezember 2008 um 21:36
Hmmm… Ich kann deine Gedankengänge gut nachvollziehen, Frau Flocke. Auch mir ist es zu bunt, zu grell, zu viel. Selbst hänge ich keine bunten Lichter in die Fenster, aber ich zünde mir in der Vorweihnachtszeit gern ein paar Kerzen im Wohnzimmer an.
Heute war ich am Alexanderplatz. Ich hatte in der Gegend zu tun und dachte, ich könnte ja mal übner den Weihnachtsmarkt bummeln oder im Alexa – diesem riesigen Einkaufszentrum – vielleicht schon nach ein oder zwei Weihnachtsgeschenken schauen. Uff… Mich hats glatt umgehauen, als ich am Alex aus der S-Bahn stieg. Was für ein Menschenauflauf.
Und im Einkaufszentrum war die Hölle los. Hat überhaupt keinen Spaß gemacht dort zu sein. Also holte ich mir nur einen Crepe mit Apfelmus auf dem Weihnachtsmarkt und machte mich schnell wieder auf in Richtung Spandau.
Neee…. So macht das Warten auf Weihnachten irgendwie keinen Spaß. Ich mags dann doch lieber ein wenig ruhiger und weniger bunt.
Sara schrieb zuletzt SaraS Getränkefimmel
7. Dezember 2008 um 01:58
Liebe Flocke,
vielen Dank dafür, dass du uns an deine Erinnerung teilhaben lässt. Es berührt mich sehr.
Ganz herzliche Grüße an dich,
Martina
Mamü schrieb zuletzt Der Nikolaus war da…
7. Dezember 2008 um 15:52
Stimmt, manche sind mit den Lichtern zu übereifrig – Kerzen bringen viel mehr Stimmung. Schwibbögen finde ich sehr schön an den Fenstern …
Ein sehr schönes Kleid mit großen Taschen und was trägt denn Jung-Freifrau da um den Hals? Wahrscheinlich eine güldene Kette mit echtem Diamant …
Charisma schrieb zuletzt 2. Advent