Abtreibung
Darf man Frauen die abgetrieben haben als Mörderinnen bezeichnen? Dieser Frage geht mudelpütze ela nach, die eine entsprechende Satzaussage in einem anderen Blog gefunden hat.
Nein, ich werde diesen Blog hier nicht verlinken. Normalerweise bin ich mit solchen Aktionen ja eher großzügig, wenn ich aber den Eindruck habe hier wird auf Kosten einer bestimmten Spezies Frauen Effekthascherei im Blog betrieben, dann kann ich mir das sehr wohl verkneifen.
Leute, macht euch auf was gefasst, denn ich bin stinkesauer wenn eine Frau meint die gesamte Problematik einer Abtreibung in sage und schreibe 10 Zeilen abhandeln zu können und sich dann auch noch erdreistet betroffene Frauen pauschal als Mörderinnen zu beschimpfen. Solche Blogs sind für mich nicht existent.
Ja, ich bin hier persönlich, wenn auch nur indirekt, betroffen. Nein, ich hatte keine Abtreibung, aber ich konnte in meinem Leben genug Erfahrungen sammeln um mir ein Urteil über dieses Thema zu erlauben.
Ich habe Frauen erlebt die abgetrieben haben, habe von ihren Sorgen und Nöten berichtet bekommen und wie schwer sie sich diese Entscheidung gemacht haben. Da gibt es Schicksale, die ich heute noch nicht fassen kann und es gibt natürlich auch die Ausnahme von der Regel.
Das Thema ist brisant, zugegeben. Und sehr intim ist es auch. Trotzdem möchte ich euch in diesem Zusammenhang meine ganz persönliche Geschichte dazu erzählen und hoffe damit eine angeregte Diskussion in Gang zu setzen.
Ich erinnere mich noch an den Frauenaufstand in den 70iger Jahren. Damals – eine Zeit als Alice Schwarzer , spätere "EMMA"- Herausgeberin und Esther Villar als "Emanzen" die, damals frisch aus dem Boden gestampften, Talkshows besuchten und Parolen wie "Mein Bauch gehört mir" prägten. Sie seien hier nur als Beispiel genannt.Ich erinnere mich, wie ich selbst damals für die Absetzung des noch existierenden Paragraphen 218 gestimmt habe. Inge Meisel, unsere "Mutter der Nation" bekannte neben anderen Frauen in einem Stern- Titel illegal abgetrieben und dabei ihr Leben aufs Spiel gesetzt zu haben. Viele andere prominente Frauen folgten.
Als ich dann ein absolutes Wunschkind erwartete und in recht fortgeschrittenem Stadium verlor habe ich Frauen auf der Abtreibungsstation kennengelernt. Mit der Fehlgeburt eines sehnlichst erwünschten Kindes unter Abtreibungen zu liegen ist mit Sicherheit eine ganz besondere Herausforderung.
Gehört habe ich Geschichten, die mich bis heute nicht mehr losgelassen haben, echte Schicksale von Frauen, die mit Sicherheit heute noch unter dem damals erlebten leiden. Keine normal denkende Frau wird sich eine Abtreibung leicht machen. Das ist keine Entscheidung wie beim Griff ins Kühlregal. Bei weitem nicht: Denn hier spielen Emotionen eine Rolle die, allein schon durch den total veränderten Hormonspiegel einer Schwangeren, für Außenstehende nicht kalkulierbar sind.
Aber so ist das ja oft im Leben: Da melden sich Krümel beim Stichwort Kuchen zu Wort. Und wer meint ausschließlich fehlende Verhütung führe zu Schwangerschaften, der ist schlichtweg nicht richtig aufgeklärt.
Über die ganzen Hürden und Hindernisse, die einer Schwangeren die abtreiben möchte, heute zu überwinden hat, hinzuweisen erscheint mir an dieser Stelle unnötig. Dennoch: Gut so. Gut, daß auch Hilfe angeboten wird, das diese Frauen nicht alleine mit ihren Problemen gelassen werden.
Mein Fazit lautet: Jede Frau muß das ganz allein für sich entscheiden. Aber heute besteht die Möglichkeit zur Entscheidung. Da hat die Frauenbewegung wirklich großes geschaffen. Ela schildert einige der Fälle, die noch vor ein paar Jahrzehnten nicht möglich gewesen wären, auch wenn es ihr wahrscheinlich in ihrer verständlichen Wut garnicht so bewußt war.
Dies soll kein Plädoyer für Abtreibungen sein. Ganz im Gegenteil. Seht es als ein Plädoyer für das eigenverantwortliche Selbstbestimmungsrecht der Frau in ihren "ganz besonderen Umständen"…











31. Juli 2006 um 19:32
Es ist ein sehr heißes Thema.
Gerade die Extremen (absolutes PRO bzw CONTRA) meinen ganz besonders, absolut recht zu haben.
Es gibt immer Situationen, wo beide Möglichkeiten richtig sind.
Keinem kann vorgeschrieben werden was er tun soll.
Denn jedes Mal ist es eine indeviduelle Situiation mit einer unterschiedlichen betroffenen Person.
31. Juli 2006 um 19:49
Wir sollen und müssen dieses Thema diskuttieren solange es Schwangerschaften gibt, denn genau so lange wird es heiß sein. Wir müssen uns damit auseinandersetzen und auch bestehende Rechtsmittel immer wieder hinterfragen.
Aber bitte mit Fairneß und gegenseitigem Respekt und nicht indem wir, sich im Rahmen der Legalität bewegende Andersdenkende, als Mörder betiteln.
31. Juli 2006 um 22:25
Ich fand deinen Beitrag richtig gut. Habe über dieses Thema meine mündliche Prüfung abgehalten und war schon beim Lernen sehr bewegt. Gerade auch im Bezug auf die Spätabtreibungen nach der 12. Woche. Wurde dann auch gefragt, ob ich genauso wie eine vorherige Komilitonin Abtreibungen verabscheue und ablehne und somit jede Frau dazu nötige es zu lassen. (gleiche bekannte Glaubensrichtung)
Hatte mich in meiner Antwort für die Hilfe zur Selbsthilfe entschieden, denn wer nach dem bürokratischen Weg sich gegen das Kleine entscheidet hat seinen Grund. Gerade auch bei Behinderungen oder Vergewaltigung. Aber wie Du schon sagtest, es ist ein heißes, heikles Thema und sehr schwere Kost.
1. August 2006 um 09:06
Ich glaube, nur Frauen, die sich wirklich mal am eigenen Leib mit diesem Thema befaßt haben wissen wirklich, daß es im schlimmsten Fall eine Entscheidung zwischen zwei Übeln ist. Zwischen einem ungewollten Kind und oft lebenslangen Selbstvorwürfen.
Jemanden zu verurteilen der abgetrieben hat ist in den meisten Fällen sicher deutlich zu kurz gegriffen. Würdigt nicht den inneren Kampf, der einer Abtreibung vorausgeht, die Gedanken, die ihr folgen.
Die sorgenlose Trallalla – Abtreibung ist ganz sicher ein extremer Einzelfall. Darum ist Fanatismus sicher fehl am Platz.
1. August 2006 um 13:22
die Madame, die so großspurig und vollmundig in ihrem Blog Abtreibung als Mord bezeichnet, wollte nur Effekthascherei. Gut, dass du die Hohlbirne nicht verlinkt hast!
1. August 2006 um 13:51
Elly: Dankeschön. Gewisse Dinge machen mir einfach n dicken Hals. Da kann ich dann nicht schweigen.:wink:
Markus: Schön, daß sich auch ein Mann an der Diskussion beteiligt. Immerhin müssen sich auch werdende Väter oft genug damit auseinandersetzen. Auch für sie sicher nicht leicht…
Frollein: Bei Scheisse bin ich kompromißlos
5. September 2006 um 23:52
[...] Nein, nun aber mal im Ernst: Ihr wißt, daß ich vor Frauen wie Alice Schwarzer einen großen Respekt habe. Das Thema der Frauenbewegung habe ich hier schonmal angesprochen. Nein, trotz diesem Respekt halte ich mich nicht für eine Emanze im schimpfwörtlichen Sinn. Aber ich bin ne Frau. Und das verdammt gerne. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die Nachteile (ständig seine dreckigen Socken umdrehen weil falschrum in der Wäsche, Wäschewaschen allgemein, Fensterputzen, Klo säubern…) will ich nicht weiter ausführen, sie sollten bekannt sein sein. Aber Vorteile gibts. Und zwar zuhauf! Frau kann, so denn nicht sozialpolitisch verhindert, zuhause bleiben und ihre Kinder auf das Leben vorbereiten. [...]