Archiv für Dezember, 2008

Als Mutti und Papa noch keine Eltern waren

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Während Gabi hier eine zauberhafte Geschichte über silberne Serviettenringe und monogrammbestickte Serviettentaschen erzählte, fiel mir eine Geschichte von Anno-Dazumal ein, die mir leider nur überliefert wurde und daher in einigen Punkten nicht ganz authentisch sein könnte, dennoch wunderbar für eine weitere kleine Zeitreise geeignet ist:

Wir schreiben den Jahreswechsel 1950/51, meine Eltern haben vor ein paar Wochen geheiratet. Viele Dinge sind Mangelware und eine Wäscheleine als Hochzeitsgeschenk versetzte die Braut in Entzücken. 

Das junge Paar träumt den Traum aller Deutschen in dieser Zeit: Der Krieg ist vorbei, Berlin zwar in vier von den Siegermächten besetzten Zonen eingeteilt, aber man blickt wieder nach vorne, begreift langsam das Wort "Frieden", träumt vom Wiederaufbau und krempelt die Arme hoch, will "es" wieder schaffen, ist voller Tatendrang…

Wie gesagt, es fehlt hier und da, aber das Feiern haben die Deutschen auch im Krieg nicht verlernt. Im Gegenteil. Das Geld ist knapp, aber eine Flasche Sekt muss her, letzlich hat man in den letzten Wochen auf so manches verzichtet um dieses Silvester zu einem Spektakel machen zu können.

Besuch hat sich angekündigt, eine einzelne Person. Da muss was auf den Tisch, den die Frischvermählte liebevoll mit angeschlagenem Porzellan deckt. Plötzlich hält sie inne, ist schreckensstarr und haucht: "Wir haben gar keine Sektgläser!" … und schickt den Frischvermählten los um welche "irgendwo aufzutreiben", denn dem Besuch den Sekt in Wassergläsern zu kredenzen, das geht ja nu garnich… Mein späterer Papa zieht also los, stapft durch hohen Schnee zum Kaufhaus Tietz und kommt mit drei Sektgläsern wieder. Einfachstes Pressglas zwar, aber immerhin Sektgläser.

Meine Mutter, die zu diesem Zeitpunkt noch nichts von mir weiß, sieht die Gläser und ist hocherfreut, wenngleich die Kosten ihr Kopfzerbrechen machen. Als gute Hausfrau spült sie die drei Gläser erst einmal tüchtig und nutzt die Spülzeit um sich ein paar Gedanken zu machen. "Was wäre, wenn eines entzwei ginge?" Zu Dritt mit zwei Gläsern Silvester feiern? Das geht einfach nicht, man kann im Zweifelsfall auch nicht zugeben, das nur drei Gläser vorhanden waren. "Das wirkt ja wie angezahlt und abgezählt" denkt sie sich und schickt meinen späteren Herrn Papaa gleich nocheinmal los um ein weiteres Dreierpack zu besorgen. Die Kosten müssten irgendwie eingespart werden, zum Glück ist gerade Ultimo…

Also stapft der gutmütige, liebende Gatte nocheineinmal los.

Und dann, als endlich sechs niegelnagelneue Sektgläser aufm Tisch stehen, da ist auch die Frischvermählte zufrieden, kann "angemessen" mit sechs neuen Sektgläsern ins neue Jahr feiern. Sechs neue Sektgläser- welch Schatz in dieser Zeit!

Von der eigentlichen Silvesterfeier ist wenig überliefert, ich vermute allerdings das Papphüte getragen und Luftschlangen geworfen wurden.

Attention, Ä Tännschn!

Dienstag, 9. Dezember 2008

Oder:  Wie der Osten "Danke!" sagt

Oder:  Heiligabend gibts bei uns Kartoffelsuppe!

Oder:  Meine ganz private Therapieeinheit

 

Ich bin nur baff erschlagen und freue mich riesig. Recht herzlichen Dank auch nochmal auf diesem Wege, lieber Püschologe! Darf ich mich bei dieser Gelegenheit mal gleich nach Ihrer Banane erkundigen?  

Ich würd dann gerne auch noch n paar Liegungen Sitzungen auf Ihrer Wild-Ledercouch nachbuchen…

Rätsel Nr. 56

Montag, 8. Dezember 2008

Heute gibts was aufs Auge. Erholung nämlich! Nachdem unsere Sehnerven bereits seit Wochen  mit Rot-Grün-Kombinationen gefüttert wurden, könnt ihr bei mir mal so richtig abschalten. In freundlichem Grau kommt Rätsel Nr. 56 daher zu euch und wünscht euch einen eintönigen Start in eine triste Woche  guten Start in die neue (Advents-)Woche.

Es darf losgeraten werden…

Das Rätsel war wohl wiedereinmal zu einfach. Siegessicher tipselte Liliana die Lösung bereits nach 1 1/2 Stunden:

Liliana sagt:
8. Dezember 2008 um 12:08 

Ein Elefant!

Herzlichen Glückwunsch vom Anwesen, meine Liebe! Du hast damit eine virtuelle Elefantenhaut für die kommenden stressigen Wochen gewonnen und wirst sie damit hoffentlich nervlich unbelastet überstehen

Nachtrag: Der Ausschnitt zeigte den Stirnbereich des Elefanten.

Adventslichter

Samstag, 6. Dezember 2008

oder: Eine kleine biographische Geschichte aus Kindertagen

Wenn ich mich heute so in Berlin umsehe und die teils üppige Adventsbeleuchtung in der Stadt sehe, dann stehe ich manchmal baff erstaunt davor und kann diese Lichterpracht kaum fassen. Tausender kleinerer und größerer bunter Lämpchen schmücken die Stadt, nicht nur die großen Einkaufsstraßen, nein, auch in den Vororten leuchtet, blitzt und blinkt es weihnachtlich.

Ehrlich gesagt ist mir das manchmal schon zu viel und ich erinnere mich an meine Kindertage, als noch echte Wachskerzen in den Fenstern standen. Anfangs für Tausende von Kriegsheimkehrern, die teils verkrüppelt noch aus den Gefangenenlagern kamen und denen die Kerzen den Weg nach Hause leuchten sollten. Später als Andachtskerze für die Verwandten hinter dem "eisernen Vorhang", mit denen wir in den ersten Jahren nach dem Mauerbau kein gemeinsames Weihnachtsfest feiern konnten, denn Passierscheine gab es erst viel später…

Ich hatte jede Menge Verwandte in Ost-Berlin, aber auch in der Zone und ich erinnere mich genau, wie meine Mutter immer je eine Wachskerze in die Doppelfenster stellte und mir auch den politischen Hintergrund erklärte. Soweit mir bekannt ist, wurden diese Andachtskerzen auch im Osten aufgestellt…

Wir wohnten 600 m von der Grenze entfernt und hörten manchmal die Schüsse wenn Fluchtversuche unternommen wurden. Ich wuchs mit der Mauer auf…

Aber ich wuchs auch mit echten Wachskerzen auf. Kerzen, die so manchen Adventskranz oder Weihnachtsbaum in Brand setzen. Mein Vater befestigte den Weihnachtsbaum immer mit einer Schnur an irgendwelchen Nägeln, die er in die Wand einschlug, damit der Baum nicht umfallen konnte.

Ich denke gerne an diese Zeit zurück und manchmal überfällt mich dabei eine melancholische Stimmung, so wie jetzt, während ich diese Zeilen schreibe. Aber das ist okay…

Heute sehe ich aus meinem Wohnzimmerfenster und sehe die Adventsbeleuchtung der Dame unten links gegenüber. Dann denke ich an die Landebahnbefeuerung des nahen Flughafens und wünsche mir diese alten Zeiten zurück. Zeiten, in denen es diese modernen Lichterketten noch nicht gab, in denen die Adventszeit ruhig und friedlich war und ich noch an den Weihnachtsmann glaubte…

Das Geständnis- verbunden mit einer kleinen vorweihnachtlichen Geschenkefinder- Aktion

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Irgendwann war ich kein Kind mehr aber auch noch keine Frau. Ich pubertierte und erlebte eine Entwicklungsphase wie viele andere junge Mädchen. Auf die körperlich Veränderungen in dieser Zeit will ich nicht näher eingehen, die dürften allgemein bekannt sein.

Ich möchte euch heute vielmehr davon berichten, wie sich in jener Zeit eine Macke bei mir entwickelte, der ich bis heute fröne: Ich hab nen Taschentick. Ich komme einfach an Handtaschen nicht vorbei, wobei es sich bei mir nicht um einen Modetick handelt, denn es müssen nicht immer die neuesten Modelle sein, die meine schmalen Schultern/Handgelenke zieren. Nein, ich rede von Taschen die mir einfach gut gefallen und in einem mir angemessen erscheinendem Preis-/Leistungsverhältnis stehen müssen, es sei denn, ich bekomm sie geschenkt.

Nun könnte der Eindruck entstehen ich würde täglich mindestens eine andere Tasche ausführen. Dem muss ich widersprechen, das würde eine ständige Umräumaktion bedeuten und dazu bin ich viel zu faul. Ich benutze i.d.R. immer dieselbe Tasche, wobei ich allerdings zwischen Sommerzeittaschen und Winterzeittaschen unterscheide. Während der Sommerzeit bevorzuge ich helle Modelle, während der Winterzeit eher Dunklere. Eine Ausnahme bildet hierbei die Farbe Rot. Ich habe meine neue rote Tasche zur Ganzjahrestasche erklärt, denn sie ist ein echter Hingucker und ein Geschenk Schatzis.

Na, meine Herren? Was schenkt ihr denn so euren Herzdamen? Bald ist Weihnachten und über eine neue Tasche freut frau sich immer…

Ich werde euch hier in der Adventszeit noch ein paar weiter Geschekideen unterbreiten und würde mich freuen auch von den Damen konstruktive Kritik einstecken zu können.

Vielleicht übernimmt ja einer der bloggenden Herren den männlichen Teil dieses kleinen, vorweihnachtlichen Leserservices und teilt uns Damen mit, was die Männerwelt begehrlich findet? Es würde mich ehrlich freuen, ein männliches Pendant zu finden. Na , Herbert, wie wärs? Oute Dich und erzähl uns was über Deine heimlichen Neigungen und Wünsche!

Liebe Schwiegertöchter und Schwiegersöhne!

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Es hilft. Ehrlich, ich habs im Selbstversuch getestet und war wirklich absolut still, hab keinen Pieps mehr von mir gegeben. Kaum vorstellbar…

Deshalb hier und exklusiv der ultimative Advents-und-Heiligabend-Ruhe-hab-Tipp in dieser ohnehin stressbelasteten Zeit für euch:

Noch sind Restbestände dieses Gebräues in den Drogeriemärkten zu ergattern, denn dieser Tipp ist absolut heiss und die Lieferschwierigkeiten aufgrund der steigenden Nachfrage abzusehen. Also: bevorratet euch!   

Rätsel Nr. 55- das private Spaßrätsel

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Zessie hat es ja schon in den Kommentaren verraten: Ich wurde mal wieder ein Jahr älter und die Höflichkeit ein innerer Drang zwingt mich allen Gratulanten Danke zu sagen und auf meine beliebte mädchenhafte Art in ihre Richtung zu knicksen.

Also, liebe Gratulanten, ich hab mich ehrlich über alle Glückwünsche gefreut, sei es in den Kommentaren, per eMail, Post, sms oder auch das Brieftaubenpärchen das ich besonders süß und romantisch fand… Ihr seid die Besten! Danke, Danke, Danke! *Kusshändchen werf*.

Wie ihr ja gemerkt habt, ruhte das Blog anlässlich der Feierlichkeiten für einige Tage, denn ich habe mich mit Schatzi einfach verkrümelt. Wir haben den großen gusseisernen Schlüssel genommen, das Anwesen abgeschlossen und sind ein paar Tage weg gefahren.

Wohin? Das könnt ihr wahrscheinlich sehr leicht erraten, wenn ihr das Bild vom Frühstückstisch seht.

Die Rätselfrage dieser Woche lautet daher: In welcher deutschen Stadt zelebrierte ich in diesem Jahr meinen Geburtstag und woran erkennt ihr das?

Lebenshilfe

Montag, 1. Dezember 2008

Vor einiger Zeit fand ich bei Martina Müller ein hübsches, selbstgeschriebenes Gedicht über das Verhältnis zwischen Frosch und Käfer und mir war sofort klar, dass ich euch das nicht verheimlichen dürfte. Ich veröffentliche das Gedicht heute hier mit Martinas freundlicher Erlaubnis und danke ihr herzlich dafür:

 

Lebenshilfe  

Ein Käfer sitzt auf einem Blatt
und hat das Leben gründlich satt,
in seinem wunderschönen Kleid,
verkündet lauthals er sein Leid. 

Da kommt ein Frosch gehüpft und fragt,
warum er jammert, stöhnt und klagt,
das Wetter sei doch wunderbar,
es tanze eine Mückenschar,
so delikat und fabelhaft
und prall gefüllt mit Lebenssaft,
wohl um den ganzen See herum,
doch er, der Käfer, er sei dumm. 

Was gehen ihn die Mücken an,
so meint der Käfer mürrisch dann,
sein Leben, das sei ohne Sinn,
für nichts und niemand ein Gewinn. 

Der Frosch, der quakt ganz ehrlich,
das Leben sei doch herrlich,
der arme Käfer tät ihm leid,
zu helfen sei ne Kleinigkeit,
er könnt’ dem Käfer geben Sinn,
für ihn, da sei er ein Gewinn.
Um dem Käfer zu gefallen,
lässt er seine Zunge schnallen. 

Genießend blickt der Nimmersatt,
zufrieden auf das leere Blatt…
Hat er doch dem Käferleben,
endlich einen Sinn gegeben. 

 

Martina war so freundlich mir ein paar kleine Dinge über sich zu verraten, denn natürlich steckt hinter dieser Autorin, die auch sehr hübsche Geschichten schreibt und tolle Fotos veröffentlicht, die sie mit ihrer P*nasonic- Kamera schießt, eine interessante Frau.

Ihre Gedanken, Wünsche und Träume brachte Martina anfangs nur für sich zu Papier, lesen durfte das niemand. Eine kleine Insel der Ruhe, in die Martina sich zurückzog, entstand. Eine kleine Insel, die nach und nach immer größer wurde, auf die sich immer öfter zurückzog. Schrift und Sprache nahmen immer mehr Raum ein und so kam sie eines Tages zur Schule des Schreibens. Dort wurde ihr ein kostenloses Weblog angeboten und sie griff sofort begeistert zu.

Das war September 2006 und ihre Buchstabenwiese entstand.

Eine wunderschöne bunte Wiese ist das geworden, thematisch nicht unbedingt zuzuordnen, aber gerade das macht ihren Reiz aus. Martina schreibt auch heute noch über alles, was sie bewegt, das kann mal lustig, mal nachdenklich, lustig-verspielt, aber auch traurig sein. Kleine Fortsetzungsgeschichten mit märchenhaftem Charme, z.B. der Herr Baron von und zu Sommerwinter. Er ist der Zeitdieb, der uns jedes Jahr am letzten Wochenende im März eine Stunde stiehlt und im Oktober zurück bringt, entstanden und erfreuen den Leser. Traumhafte Gedankengänge, auf die man erstmal kommen muss… Martina führt uns mit ihren Geschichten in die Welt der Phantasie, lässt uns abschalten vom grauen Alltag.

Ihre Buchstabenwiese ist für immer neue Überraschungen gut und entwickelt sich zu einem prachtvollen Garten mit zart duftenden, stachligen Rosen, Mimosen, Lupinien und Sonnenblumen, im Schatten der alten Tanne wächst ein Farn und auf der Bank unter dem alten Apfelbaum kann man herrlich träumen.

Und im Teich? …Da sitzt ein Frosch und fängt Käfer…

Klickt mal rüber, ihr werdet euch wie zu Hause fühlen!