Mütter sind ja eine besondere Spezies Mensch. Hochgradig sensibel, kaum kritikfähig und immer alles besser wissend, es dabei "doch nur gut meinend"… Ich muss Ihnen da wahrscheinlich garnicht soviel erzählen, denn vermutlich haben Sie selber eine. Dann wissen Sie, was ich meine.
Wenn Sie keine Mutter haben, was übrigens statistisch gesehen recht unwahrscheinlich ist, dann haben Sie aber vielleicht eine Schwiegermutter? Das ist der schlimmste anzunehmende Fall, der Super-GAU schlechthin und ich möchte Ihnen mein Mitgefühl aussprechen. Ich darf das, denn ich bin selber eine.
Wie aber kommt frau zu einer Schwiegermutter? Richtig! Frau heiratet einen Mann, im Extremfall ein Muttersöhnchen. Dann sollte sie sich mit der Eheurkunde auch gleich die Scheidungsformulare aushändigen lassen oder aber auf einen lebenslangen Kampf einstellen.
Ich bin ein friedliebender Mensch, Ausnahmen dürfen Sie gerne meinem facettenreichen Charakter zuschreiben. Meinen Schwiegermüttern bot ich einfach keinerlei Angriffspunkte. Zugegeben, am Anfang meiner Ehen habe ich mich noch auf Diskussionen eingelassen, aber das führte zu nichts. Meine Schwiegermütter spielten die beleidigte Leberwurst, bockten und/oder hetzten. Der jeweils liebste meiner Ehemänner fühlte sich, so zwischen Baum und Borke stehend, unwohl.
Ich sag Ihnen was: Daran können Ehen zerbrechen!
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Eine meiner Schwiegermütter liebte Kirschen, sie hielt sich wohl für die Claudia Bertani von Arnis. Jeden Sommer wenn die Kirschen reif waren rannte sie, seit Anbeginn ihrer Ehe, auf den Wochenmarkt um körbeweise Kirschen zu kaufen. Die trug sie dann den kleinen Hügel hinauf in ihr Häuschen, wo sie die Körbe in die Küche stellte um alsbald Kirschmarmelade daraus zu kochen, also aus den Kirschen natürlich…
Das Rezept war ein "ganz besonderes", noch aus dem Fundus ihrer eigenen Mutter. Die Beiden Damen hatten wohl ein recht zwiespältiges Verhältnis und ich hatte immer das unbestimmte Gefühl, das Kirschmarmeladenrezept lag ihr mehr am Herzen als ihre Mutter. Aber das sind reine Spekulationen.
Die Kirschen wurden mühsam und einzeln mit einer Haarnadel entsteint um dann in einen riesengroßen Topf zu kommen in dem sie gekocht wurden. Dann kam tüchtig Zucker dazu, das ganze köchelte auf dem Herd weiter und Schwiegermutter wurde nicht müde immer wieder umzurühren, damit die gute Marmelade nicht anbrannte. Gelierzucker lehnte sie ab, solch "neumodischen Kram" mochte sie nicht.
War die Marmelade dann nach Stunden endlich fertig und in Gläser gefüllt, freute sie sich wie ein kleines Kind über ihren Schatz, den sie in die Speisekammer stellte und nicht müde wurde zu erzählen, welch viele Arbeit sie jedes einzelne Marmeladenglas doch gekostet hatte.
Wie die Marmelade schmeckte? Nun, ich sag mal süß. Sehr süß. Zu süß eigentlich, denn wir mochten sie alle nicht. Das hinderte Schwiegermutter allerdings nicht uns ständig von ihrer Marmelade mitzugeben. Sie hatte einen stattlichen Vorrat angelegt der verteilt werden musste. Worte wie "Nimm mal Kind und lass es Dir schmecken!" begleiteten die Einpackorgien der Marmeladegläser, die eigentlich niemand wollte.
Es wurden Unterlassungsbitten in der Verwandschaft vorgetragen, das alles mache ihr doch zu viel Mühe, sie sei auch nicht mehr jung, solle sich ausruhen, man könne doch auch mal ein Jahr aussetzen…
Alles Bitten half nicht. Es wurde Kirschmarmelade gekocht, die sich in den auf sie verteilten Haushalten zu stapeln begann. Und Schwiegermutter kochte. Kochte Kirschmarmelade und war glücklich.
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Meine Männer sind ja bisher immer zu mir gezogen, ich hab hier einfach genug Platz.
Eben kam der aktuelle Gatte aus dem Keller und fragte mich: "Was wäre eigentlich passiert, wenn Du Deiner Schwiegermutter damals gesagt hättest, dass Du keine Kirschmarmelade magst?
Ich überlegte kurz, bevor ich ihm antwortete, sie wäre wahrscheinlich beleidigt gewesen.
"Ha!" sagte mein Aktueller "aber ich könnte dann heute das Kellerfenster öffnen!"
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* Dies ist eine rein fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit Lebenden oder Toten sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.