Manche Leute haben ihren Spitznamen aufgrund ihres Äußeren.
So heißt die Frau, über die ich heute schreiben will (als "Dame" kann man sie beim besten Willen nicht bezeichnen) in Wahrheit so ähnlich wie Tanne. Frau Tanne eben. Iss nich schlimm, kann Jedem passieren. Aufgrund ihres Äußeren heißt sie aber im Umgangston nur "die Tonne", womit ihr Figurproblem auch schon beschrieben ist. Um davon abzulenken trägt sie gerne Oberteile in rosa.
Versteht mich bitte nicht falsch, ich selber schleppe etliche Pfunde an Übergewicht mit mir rum. Ich will niemanden aufgrund seiner Massen diskriminieren. Die einleitenden Worte sollen euch lediglich einen Eindruck von diesem Frauenzimmer geben.
"Die Tonne" mischt überall mit, hat zu allem ne Meinung, die nicht unbedingt die Eigene sein muss, aber trotzdem gerne lautstark verkündet wird, beschäftigt sich mit der Thematik von Erkrankungen und Heilmethoden jeglicher Couleur und stellt Fehldiagnosen besser als manch ein Medizinalrat. Sie hat ein Hobby, welches ihre Nachbarn manchmal in die Verzweiflung treibt: Die Tonne feiert gerne und ist auch in der Erfindung von Anlässen überaus kreativ…
Hier sind keine normalen Feiern gemeint, nein, die Tonne liebt es opulent, feiert exzessiv bis zum Umfallen. Komasaufen eingeschlossen. Und manchmal verlagert sie diese Feierlichkeiten in den Garten. Dann wirds für die Nachbarschaft besonders spannend. So wird von einer Feier berichtet, die im tiefsten Winter bei Eis und Schnee stattfand. Die Gäste hatten offenbar die Temperaturgrenzfühlschwelle aufgrund ihres Alkoholkonsums im Schnee verloren, durch den sie nun stapften oder sich ermattet in ihn warfen. Einer soll dabei sogar eingeschlafen sein.
Wie das so mit dem Alkohol ist: Nicht nur die Temperaturgrenzfühlschwellkontrolle (ich liebe dieses Wort!) setzte aus, irgendwann war der Verstand wohl auch im Arsch ausgeschaltet und das Unterbewusstsein kringelte sich zusammen mit diesem kleinen Teufelchen, das wir alle in uns haben und das immer die Wahrheit rauslassen will. Ob diese Wahrheit nun wirklich die Wahrheit ist, oder ob sie -individuell verschieden- von uns nur als solche wahrgenommen wird, möchte ich mal dahingestellt lassen. Kurz gesagt, es wurden Dinge namentlich auf unschöne Art und Weise benannt, die man, sofern nüchtern und einigermaßen bei Verstand, lieber für sich behält.
Da wurden echte Tiefschläge verteilt, es ging erheblich unter die Gürtellinie. Irgendwer schrie nach der Polizei, ein anderer versprach seinem Gegenüber den Einsatz eines Krankenwagens.
Das Ganze soll sich über etwa eine dreiviertel Stunde hingezogen haben und als sich die schimpfende Gesellschaft immernoch lautstark von einander verabschiedete, hallten herzhafte Schimpfwörter wie "Du alter Sack" und "Pissnelke" durch die sternenklare Berliner Winternacht…
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Ich habe diese Geschichte aus mehreren Gründen geschrieben:
1. Madame Neri schreibt gerade ihre Diplom-Arbeit rund ums Thema "Verbale Gewalt" und bittet um Unterstützung in Form von Schimpfwortspenden. Falls ihr also ein paar richtig deftige kennt, dann dürft ihr euch hier so richtig austoben!
2. passt die Geschichte auch ganz gut zu Hans seiner Spitznamen-Blogparade und
3. sind n paar nette Suchbegriffe drin, die mir vielleicht ein paar neue Leser bringen… 