

Eine Fahrt mit dem Fährschiff nach Formentera sollte einer der Höhepunkte dieser Reise werden. Wurde es auch. Allerdings anders, als wir es uns vorgestellt hatten…
Doch der Reihe nach:
Wir waren ja in der Zeit der schweren Unwetter in der Region auf Ibiza. In der Nacht zuvor hatte es kräftig gewittert, wobei es Spaß machte den Blitzen auf den offenen Meer bei ihrem Treiben vom sicheren Hotelzimmer aus zu beobachten…
Wie ich in Teil I schon schrieb, wechselt das Wetter auf der Insel sehr schnell und ein Blick an den morgendlichen Himmel machte uns Landratten mutig. "Sieht doch gut aus!" und "Ach, das wird schon!" waren die aufmunternden Schlagworte, mit denen wir uns gegenseitig Mut zu dieser Fahrt zusprachen. Der Himmel war zwar noch verhangen, "aber dann isses wenigstens nicht so heiß"….
Also rauf auf die Fähre. Die Überfahrt war aufgrund der saisonbedingt nachlassenden Touristenströme nur noch um 10.30 Uhr möglich. Rückfahrt 17.00 Uhr. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, das Formentera ausschließlich auf dem Seeweg zu erreichen ist…
Die Hintour war trotz des verhangenen Himmels nett und temperaturmäßig angenehm. Bis es dann kurz vorm Ziel zu pieseln anfing, der Wind kräftiger -und damit die Wellen höher- wurden. Käptn Jack bat in den Innenraum…
Verlassen des Katamarans dann bei leichtem Regen mit sofort anschließender Ernüchterung: Der Hafen von Formentera ist wenig einladend. Mehr oder weniger in der Einöde wurde wir ausgesetzt und sollten hier 5 Stunden auf die Rückfahrt warten. Und es regnete…
Okay, es hätte die Möglichkeit bestanden an einer kleinen Inselrundfahrt mit einem Bus teilzunehmen, Rückkehr desselben "gegen 17.00 Uhr". Nunja, ich sagte es bereits: Rückfahrt der Fähre um 17.00 Uhr. Und die war immer pünktlich! Das war uns zu heikel, also beschlossen wir in der Einöde, bei Regen, mit (inzwischen) kaputtem Regenschirm…
Was macht man da? Richtig! Man geht Essen! Etwa 5 oder 6 kleine Lokalitäten luden in der Einöde dazu ein, hübsch übersichtlich nebeneinander drapiert…
Wir aßen gegrillte Hähnchenbrust mit Pommes und Salat. Dazu ein Gläschen Wein. Draußen regnete es und die Zeit schlich dahin. Fünf Stunden können verdammt lang sein…
Aber irgendwann waren auch diese fünf langweiligen Stunden in der Einöde überstanden. Fünf Stunden, in denen der Regen nie richtig nachließ und sich der Himmel immer mehr bezog.
Endlich durften wir wieder auf die Fähre, der Himmel war inzwischen schwarz. Nun wären wir ja keine richtigen Landratten, hätten wir diesem meteorologischen Ereignis Beachtung geschenkt. Der Himmel war schwarz- na und? Es regnete gerade mal nicht, also nahmen wir an Deck Platz.
Käptn Jack bemühte sich persönlich nach oben um uns einzusammeln und nach unten zu geleiten. Pünktlichst legte das Katamaran ab und versuchte vor dem drohenden Unwetter herzufahren. Es gelang ihm nicht…
Das Katamaran, das ja aufgrund seiner zwei Kiele eine besonders stabile Lage hat, kam ins Schlingern, die Wellen wurden höher. Sämtliche Fenster waren inzwischen als Schutz vor eventuell eindringenden Wasser geschlossen, ca. 50 Passagiere waren in dem kleinen Innenraum eingeschlossen und schwitzten.
Der Sturm legte zu, Wellen klatschten gegen die Fenster, den ersten Mitreisenden wurde übel. Käptn Jack verteilte Kotztüten. Auch mir bot er eine an. Ich nahm sie eigentlich nur aus Höflichkeit, denn ich war noch nie Seekrank und neige auch im normalen Leben nicht zu Schwindelgefühlen.
Im normalen Leben..
Die Kinder an Bord fingen an ängstlich zu werden, besorgte Eltern versuchten sie mit kreischen ala Achterbahn zu beruhigen und griffen nebenbei nach ihrer Kotztüte, befüllten dieselbe und gaben sie an die lieben Kleinen weiter…
Die Wellen waren inzwischen höher als das Boot und nun wurde auch mir langsam übel. "Gehts noch?" fragte Schatzi fürsorglich. "Mir is grad etwas übel" antwortete ich und dann, ja dann… ich reiherte in meine Tüte. Kurze Pause. Weiterreihern… Alles um mich rum reiherte inzwischen, außer Schatzi. Der hatte bei Käptn Jack einen Schwung Kotztüten abgestaubt und versorgte mich immer mit frischem Nachschub, reichte auch zwischendurch saubere Taschentücher zum Mundabwischen. Das war unheimlich lieb von ihm und ich füllte pflichtbewusst fünf Kotztüten. Irgendwann kotzten wir im Kanon, Schatzi und ich. Und schätzungsweise 35 Mitreisende sorgten für die entsprechende akkustische Hintergrunduntermalung.
Der Wind hatte zwischenzeitlich Windstärke 10 erreicht, entsprechend war der Wellenschlag. Das Gewitter hatte uns eingeholt, es blitzte und
donnerte um uns rum und wir waren immernoch eingeschlossen in diesem Innenraum bei geschlossenen Fenstern, es war schwül, das Schwitzwasser lief uns die Backen runter und stank nach Kotze.
Die Überfahrt dauerte 1½ Stunden. Eine geschlagene Stunde davon habe ich damit verbracht gegrillte Hähnchenbrust mit Pommes und Salat in diese kleinen, praktischen Tütchen zu füllen…