oder: Versuch einer Kritik
Es ist ein Unterschied, ob man das Cover eines Buches auf dem Bildschirm sieht, oder das Buch wahrhaftig in den Händen hält. Und so bekam ich auch ein anderes Verhältnis zu dem Buch, das mir durch seine dunklen Coverfarben zuerst eher seltsam anmutete, als ich es dann in den Händen hielt. Der gesamte Bucheinschlag ist auf Hochglanz gedruckt, was dem Buch die optische Leichtigkeit verleiht, die ein Jugendbuch haben sollte.
Ein erstes, kurzes Durchblättern ließ mich erst schmunzeln, denn ich las auf Seite 194: "Ich möchte den ulkigen Frosch wiederhaben! Buuäähh! Oh bitte, lieber Gott! Bitte, bitte! Gott? Gott? Wo bist du auf einmal hin?"
Gott? Gott? fragte nun auch ich mich… Ein Sci- Fi- Jugendbuch, in dem Gott vorkommt? Der ulkige Frosch war ja o.k…, aber Gott?!? Ich blätterte weiter und fand einige schwarz- weiße Manga- Zeichnungen. Weniger als ich ursprünglich annahm, nur einige wenige, die sich beim späteren Lesen als erklärend erwiesen. Mir fiel das positiv auf.
Ich wurde neugierig und begann zu lesen: Die ersten Seiten verwirrten mich total, denn plötzlich war von Gott keine Rede mehr. Vielmehr ging es um Lurders und Weltraumtaxen. Ich lernte Fruckley kennen und durfte ein Gespräch zwischen ihm und Dennis, dem Helden der Geschichte, belauschen, in dem es um Ungleichbehandlung beim Lohn ging. Es wurde spannend, denn dieses Thema scheint mir sehr aktuell. Las ich hier ein für Jugendliche lehrreiches Gleichnis? Ich las weiter und erfreute mich an dieser jugendlichen Sprache, die allerdings für meinen Geschmack manchmal etwas überstrapaziert wird. Das erschwerte mir das Lesen, ich musste mich teilweise sehr stark konzentrieren um den roten Faden nicht zu verlieren. Erschwert wurde dies u.a. auch durch ein hellblauhaariges, dunkelrotäugiges Mädchen, einen sprechenden Frosch mit lilanen Punkten u.ä.
André Linke baut, in dem ihr sehr eigenen Stil, vor uns eine grandiose Fantasiewelt auf. Führt uns mal ernst, mal humorvoll, durchaus erotisch (!), belehrend, aber auch wirklich lehrreich durch die Geschichte. Pubertäre Phasen werden genauso behandelt wie Freundschaft und Liebe, Jugendprobleme allgemein. Dabei fehlt auch Asley nicht, dieses zickige kleine Ding, das mir auf seltsame Weise bekannt vorkam…
André Linke kritisiert und philosophiert, zwingt den Leser förmlich zur Aufmerksamkeit, und so werden wir Zeuge an der Entwicklung von Dennis, der während dieser Lesereise eine gute Portion Selbstbewusstsein entwickelt, seinen Freunden und Gedanken.
Daran teilzuhaben macht Spaß und nicht selten schweiften meine Gedanken ab, weil ich mich an ähnliche, selbst erlebte Situationen erinnerte, was mich wiederum ablenkte…
Nichts desto trotz ein für Jugendliche sicher lehrreiches Buch, so sie denn bereit sind sich auf das Gedankenspiel philosophischer Gedanken einzulassen und für Nicht-Philosophen ein Sci-Fi- Gaudi der besonderen Art.